Nicht weniger als die Zukunft der Medien stand im Mittelpunkt des Communication Summit, der am Dienstagabend an der Zürcher ETH stattfand. Die von der Zürcher Public Relations Gesellschaft (ZPRG) und dem Zürcher Presseverein (ZPV) organisierte Veranstaltung hatte diesmal das Thema "Schöne neue Medienwelt - ratlose Branche". Im Anschluss an ein kurzes Einführungsreferat von "Spiegel"-Chefredaktor Mathias Müller, hätte eigentlich angeregt diskutiert werden sollen. Dazu gesellten sich zu dem Gast aus Deutschland Ringier Schweiz Chef Marc Walder, Kolumnist und Verleger Kurt W. Zimmermann, Google Schweiz Geschäftsführer Andreas Schönenberger und Christian König, der CEO von Farner PR. Allerdings wurde dann in der von SF-Moderator Reto Lipp geleiteten Runde weniger diskutiert, als viel mehr konstatiert.
Nachdem Blumencron eingangs nochmals betonte, wie schwer es sei, im Netz Umsatz zu generieren und erklärte, dass "Spiegel Online" als absolute Ausnahmeerscheinung derzeit pro Jahr etwa 20 Millionen Euro Umsatz erwirtschafte und dabei einen klitzekleinen Gewinn mache, ging es vor allem um die Problematiken, die den Verlagen das ertragreiche Geschäft im Internet erschweren. Ringier-Mann Walder schob den schwarzen Peter teilweise Google zu. Er bemängelte,Google benutze auf seinen Newsseiten Inhalte, die eigentlich den Verlagen gehörten und durch das Urheberrecht zu schützen seien. Google mache sich den noch rechtsfreien Raum zu nutze. Dies sei aber nicht weiter zulässig. Derzeit seien in dieser Sache Verhandlungen im Gange -- Verhandlungen, die in Deutschland schon geführt worden sind. In der sogenannten "Hamburger Erklärung" haben die deutschen Verlage ihren Schulterschluss festgehalten.
Andreas Schönenberger liess all diese Vorwürfe an sich abperlen und verwies grossmännisch auf die Leistungen Googles. Mittels ihrer Suchmaschine würden sie erhebliche Mengen von Traffic für die Seiten der Verlage generieren. Medienexperte Kurt W. Zimmermann nahm Google dann etwas aus der Schusslinie, indem er sagte, dass sich die Verlage noch vor kurzem selber nicht gross um das Urheberrecht ihrer Inhalte verdient gemacht hätten. Als bedeutend "gefährlicher" für die Verlage wertete Zimmermann das stete Erstarken des längst nicht mehr nur auf Heimcomputer beschränkten Hardware-Herstellers Apple.
Die Einführung des iPad könne eine ziemlich vernichtende Entwicklung nach sich ziehen, mutmasste er. Ähnlich wie beim iPod für Musik, könnte Apple bei dem Lesetablett für Zeitungen und Bücher nämlich nicht nur zur Inkasso-, sondern auch zur Preisbildungsinstanz werden. Zur einem Gatekeeper, der bestimmt, zu welchem Preis eine Zeitung in Zukunft heruntergeladen werden darf. Blumencron teilte Zimmermanns Angst nur begrenzt. Er glaube zum heutigen Zeitpunkt nicht, dass Apple in diesem Bereich so mächtig werden könne, sagte er und stürzte sich nochmals auf Google. Diesmal aufgrund deren schleichenden Wachstums zur allwissenden Instanz. Im Besonderen sprach er hier auf stark in die Privatsphäre eindringende Dienste wie Google Goggle, Streetview und weitere Extras an. Doch Google CEO Schönenbergerliess sich, ohne einen wirklichen Rechtfertigungsversuch zu unternehmen, auch davon nicht aus der Ruhe bringen. (ads)