"Weniger konzessionierte Programme, dafür grössere Versorgungsgebiete für professionelle TV-Stationen mit Gebührenanteil." Gemäss diesem Prinzip will das UVEK die regionale Fernsehlandschaft umkrempeln. Zu den Neuerungen gehört, dass der Entwurf in der Ostschweiz ein einheitliches Versorgungsgebiet von Winterthur bis zum St. Galler Rheintal vorsieht. In der Romandie werden die Kantone Waadt und Freiburg zu einem Versorgungsgebiet verschmolzen, ebenso die Kantone Neuenburg, Jura und der Berner Jura. Biel behält als zweisprachige Region einen eigenen Konzessionsraum.
Der Zürcher TV-Veranstalter, der am Gebührentopf laben darf, muss die Auflage erfüllen, für Schaffhausen und Glarus ein Infofenster zu produzieren. "Wir überlassen es dem TV-Veranstalter, ob er die Inhalte selber herstellen will oder ob er diese von Anbietern aus der Region produzieren lässt", sagt René Wehrlin vom Bakom gegenüber "persoenlich.com". An der konzessionsrechtlichen Verantwortung ändert dies indessen nichts: Sie bleibt in Zürich. Die Tamedia, Eigentümerin von TeleZüri, begrüsst den Lösungsvorschlag des UVEK zur Definition des künftigen Versorgungsgebiets Zürich. "Der Vorschlag trägt insbesondere auch den Pendlerströmen aus benachbarten Kantonen und Regionen Richtung Zürich Rechnung und schränkt das Versorgungsgebiet zu Recht nicht auf das Gebiet des Kantons Zürich ein", sagt Andreas Meili, Leiter elektronische Medien bei der Tamedia gegenüber "persoenlich.com". Weil dem künftigen Zürcher Anbieter durch die Programmfenster ein besonderer Leistungsauftrag aufgetragen werde, sei auch die Ausschüttung von Gebührenanteilen gerechtfertigt.
In Schaffhausen löst der Entwurf derweil Empörung aus: "Man denkt in Biel offenbar, man könne Schaffhausen einfach Zürich zuordnen", wettert Verleger Norbert Neininger gegenüber "persoenlich.com". Er befürchtet, dass Schaffhausen mit dem vorgeschlagenen Modell von der medialen Fernseh-Landkarte verschwinden würde. Es sei zwar gut, dass das Bakom von seiner Vision, nur zehn bis zwölf Versorgungsgebiete zu definieren, weggekommen sei. Neininger stört am Vorschlag der Behörden jedoch, dass man mit dem vorgeschlagenen Modell, das einzige unabhängige Medienhaus in der Region schwächt. "Dass das Bakom unseren Fernsehteil in einem Handstreich als medialer Blinddarm Zürich zuordnen will, ist deshalb schwer verständlich." Bereits kündigt Neininger Widerstand gegen den UVEK-Vorschlag an: "Wir Schaffhauser werden uns gegen diesen Vorschlag wehren. Wir lassen uns nicht so schnell eingemeinden."
Auch im Raum St.Gallen wird der Entwurf des UVEK -- die Ostschweiz wird von Winterthur bis zum St. Galler Rheintal zusammengefasst -- nicht überall wohlwollend aufgenommen. "Wir halten den Vorschlag nicht für eine gute Lösung für die Ostschweiz" sagt André Moesch, Leiter E-Medien von Tele Ostschweiz gegenüber "persoenlich.com". Er bemängelt, dass das definierte Versorgungsgebiet alles andere als homogen ist und mit Winterthur und St. Gallen zwei Zentren umfasst. "Der TV-Zuschauer müsste künftig die Berichterstattung aus fünf Kantonsparlamenten über sich ergehen lassen", klagt Moesch. Auch aus einer journalistischen Sicht mache es wenig Sinn, den Konzessionsraum so gross zu fassen: "Wir müssten überall Journalisten hinschicken. Ich glaube nicht an das Produkt, das auf diese Weise entstehen würde."
Unverständlich ist dem Ostschweizer, dass anderswo Versorgungsgebiete geschaffen werden, deren Einzugsgebiete nur einen Bruchteil der Ostschweiz umfassen -- der Arc jurassien zählt 360'000 Einwohner, das Wallis 306'000 und Biel 233'000. Moesch: "Weshalb geht das in der Ostschweiz nicht?". Selbst wenn man die Ostschweiz aufteile, blieben die beiden Versorgungsgebiete deutlich grösser als in der Westschweiz. Mit Erleichterung nimmt dagegen Tele Top-Chef Günter Heuberger den Vorschlag des UVEK zur Kenntnis: "Ich bin zufrieden mit der Lösung sagt er gegenüber "persoenlich.com". Entscheidend sei, dass der Vorschlag des Verlegerverbands vom Tisch sei. Das Modell des Verbands Schweizer Presse hatte vorgesehen, dass das Gebiet von Tele Top durch die benachbarten TV-Stationen TeleZüri und Tele Ostschweiz beansprucht wird.
Ob der Vorschlag des UVEK noch Änderungen erfahrt, wird sich im kommenden Jahr zeigen. Die Anhörung dauert bis zum 22. Januar 2007. Erst im Frühling 2007 und nach einer Prüfung der eingegangenen Stellungnahmen wird das UVEK dann sein Dossier dem Bundesrat unterbreiten -- zusammen mit dem vorgesehenen Betrag der Gebührenanteile für die Veranstalter in den einzelnen Versorgungsgebieten. Dieser wird darauf bei der Ausschreibung der Konzessionen bekannt gegeben, die frühestens im Sommer 2007 zu erwarten ist. In den Genuss der neuen Gebührenregelung werden die Veranstalter nach Erteilung der neuen Konzessionen kommen. Dies dürfte voraussichtlich Mitte 2008 der Fall sein.
(Text: David Vonplon)