Stühlerücken beim "Wall Street Journal": Nach nur knapp einem Jahr im Amt tritt der Schweizer Chefredaktor Marcus Brauchli zurück. Das "Wall Street Journal" ist das Flaggschiff des erst vor vier Monaten von Multimilliardär Rupert Murdoch übernommenen Wirtschaftsmedien-Konzerns Dow Jones. Seit dem Kauf für gut fünf Milliarden Dollar wechselte Murdoch zahlreiche Topmanager aus.
Die Suche nach einem Nachfolger beginne umgehend, teilte Dow Jones am Dienstagnachmittag (Ortszeit) in New York mit. Der 46-jährige Brauchli werde künftig als Berater an anderer Stelle für Murdochs Medienkonzern News Corp. tätig sein.
Im Zuge der Übernahme durch Murdoch war eigens ein unabhängiges Komitee geschaffen worden, das über den Chefredaktor des Blattes entscheiden muss. Die Suche nach einem Nachfolger für Brauchli werde interne wie externe Kandidaten berücksichtigen, hiess es in der Zeitung weiter.
Brauchli ist Amerikaner mit Schweizer Pass. Er hatte seine journalistische Karriere 1984 als Nachrichtenredaktor bei Dow Jones begonnen. Später berichtete er während 15 Jahren aus dem Ausland, unter anderem aus China, Russland und Japan. 1999 kehrte er nach New York zurück.
Der Zeitung zufolge soll vorübergehend Herausgeber Robert Thomson die Aufgaben von Brauchli als geschäftsführender Chefredaktor übernehmen. Thomson war nach dem Kauf von der ebenfalls Murdoch gehörenden Londoner "Times" zu Dow Jones gekommen. Er war zuvor US-Chef der "Financial Times", die der schärfste Wettbewerber des "Wall Street Journal" unter den Wirtschaftsblättern ist. (sda)