Schweizer Durchschnittshaushalt gibt 3000 Franken im Jahr für Medien aus

- Annähernd zehn Milliarden Franken war den Schweizer Privathaushalten im vergangenen Jahr der Medienkonsum wert. Dies geht aus der erstmals erhobenen Studie "medienbudget.ch" hervor, die der Verband Schweizer Presse am Mittwoch veröffentlicht hat. Den Löwenanteil der Ausgaben räumen dabei die elektronischen Medien ab -- davon profitiert allen voran die gebührenprivilegierte SRG. Zeitungen und Zeitschriften dagegen können sich nur einen kleinen Teil vom Medienkuchen abschneiden.

Von jedem Schweizer Medienfranken entfallen 24.7 Rappen auf PC und Internet und 22.5 Rappen auf das Fernsehen (Konzessionen, Kabelgebühren, PayTV, Hardware). Für die gedruckte Presse bleiben 20.2 Rappen übrig. Der Rest des "Medienfrankens" wird wie folgt aufgeteilt: Unterhaltungselektronik 15.5 Rappen, Bücher 9.4 Rappen, Radio 5.0 und Kino 2.7 Rappen.

Insgesamt sind die Medienausgaben der Schweizer Privathaushalte im Jahre 2004 gegenüber dem Vorjahr zwar um 3.5 Prozent gestiegen, doch entfiel dieses Wachstum fast ausschliesslich auf die elektronischen Medien. Allein für Konzessionen und Kabelnetze mit ihren politisch festgelegten Preisen geben die Schweizer ein Fünftel mehr aus als für alle Druckmedien zusammen.

Diese und viele weitere hoch interessante Zahlen und Zusammenhänge gehen aus einer Erhebung hervor, die der Verband Schweizer Presse zum ersten Mal durchgeführt hat und die in ihrer Art europaweit einmalig sein dürfte. "Ich bin froh, dass der Verband Schweizer Presse dieses 'Milliardending' hat, sagte dennauch Hanspeter LeBrument in seiner Rede zur Präsentation der Studie. Die Erhebung soll in Zukunft alljährlich durchgeführt werden. Im Verlauf der Jahre werden sich damit Datenreihen ergeben, aus denen verlässliche Informationen über die laufenden Veränderungen ableitbar sind.

Die Erhebung "medienbudget ch." umfasst die Bereiche Content (Abonnemente, Einzelverkauf, Konzessionsgebühren), Access (Gebühren Kabelnetze, Breitband-Verbindungen) und Hardware im Privatbereich. Entsprechend dem Konsumverhalten der privaten Haushalte werden Aufwendungen für Datenträger (CD-ROMs, DVDs usw.) und Hardware als Konsumausgaben betrachtet, und es werden keine Abschreibungs-Aspekte berücksichtigt. Nicht in der Erhebung enthalten sind ausserdem die Ausgaben für Mehrwertdienste (Mehrwertdienst-Nummern, Handy-Datendienste wie Nachrichten, Spiele, Klingeltöne), weil die Telekom-Gesellschaften die Herausgabe der Daten verweigert haben. Daraus kann geschlossen werden, dass es sich bei den Mehrwertdiensten um ein bedeutendes Geschäft mit starkem Wachstum handelt.

Das Ziel ist es, ein verlässliches Gesamtbild über die Medienausgaben und die Grössenverhältnisse auf dem Schweizer Markt in die medienpolitische Diskussion einzubringen. Es handelt sich um eine sekundärstatistische Erhebung aus fast zwanzig verifizierten und auf Plausibilität geprüften Einzelquellen. Die Untersuchung wurde von der Kommunikationsberaterin Thérèse Ruedin, Herrliberg, früher Projektleiterin der Stiftung Schweizer Werbestatistik, durchgeführt.

Printmedien: breites Angebot, hohe Stabilität

In der Schweiz werden insgesamt 2509 Presseerzeugnisse gedruckt und verkauft. An den Kiosken stehen -- zusammen mit den Einfuhren aus dem Ausland -- permanent rund 3500 Titel zur Verfügung. Da erstaunt es, dass der Schweizer Haushalt für Presseerzeugnisse im Schnitt jährlich nur ca. 600 Franken ausgibt. 62 Prozent dieses Volumens entfielen auf Abonnemente, 38 Prozent auf den Einzelverkauf. Das Wachstum 2004 betrug insgesamt 0.6 Prozent. Im Einzelverkauf war es mit 1.9 Prozent negativ. Der höchste Anteil der verkauften Auflagen entfällt auf die Kategorie "Tagespresse, regionale Wochenpresse, Sonntagspresse" (Gesamtauflage 3.8 Mio. Ex./ + 1.0 Prozent). Dagegen erlitt die Kategorie "Publikums-, Finanz- und Wirtschaftspresse" (Gesamtauflage 2.6 Mio. Ex.) einen Rückschlag um 3 Prozent. Um 1.8 Prozent zugelegt hat die Spezialpresse (Gesamtauflage 2.7 Mio. Ex).

Stabile Umsätze bei den Büchern

Trotz ständig erhöhtem Angebot der aktuellen Druckmedien und verschärftem Wettbewerb um die freie Zeit der Nutzer verbleiben die durch die Mehrwertsteuer-Statistik erhärteten Umsatzzahlen des Buchhandels seit 2002 unverändert bei rund 900 Millionen Franken. Die Buchumsätze in Kiosken, Grossverteilern und an Tankstellen sind in dieser Zahl nicht inbegriffen.

Kino wieder im Aufwärtstrend

2004 betrug der Umsatz der Schweizer Kinos 253 Millionen Franken (+ 5.5 Prozent). Die Auswahl wird tendenziell grösser. Es wurden 1510 Filme gezeigt, davon 466 "First Runs". Der Marktanteil der Multiplex-Kinos betrug 23, derjenige der Open-air-Kinos 2.8 Prozent.

SRG und Kabelnetze -- die grossen Abräumer

Die Studie "medienbudget.ch" beweist, dass die elektronischen Medien -- allen voran diejenigen der gebührenprivilegierten SRG -- den Löwenanteil der Schweizer Haushaltausgaben für Medienkonsum abräumen. Allein die Konzessionsgebühren für den Radio- und Fernsehempfang erreichten 2004 fast zwei Drittel des Betrages, der insgesamt für Zeitungen und Zeitschriften ausgegeben wurde. Unter Einschluss der Ausgaben für PayTV-Abonnemente und Radio- und TV-Kabelnetzgebühren -- 90 Prozent der Haushalte sind verkabelt! -- sind die Ausgaben für die elektronischen Medien (ohne neue Geräte) etwa gleich hoch wie die Aufwendungen für gedruckte Medien. Rechnet man die jährlichen Ausgaben für Geräte-Neuanschaffungen dazu, so liegen sie insgesamt um 36 Prozent höher.

Home Entertainment: knapp stabile Umsätze

Tonträger, DVDs, PC- und Videogames inklusive Abspielgeräte sowie Video-, Hifi-Equipment und Car Electronics nehmen 1.5 Milliarden Franken in Anspruch. Deutliche Spuren zeigte der seit Jahren andauernde Kampf gegen die illegalen Musik-Downloads. Seit 2000 sank der Umsatz mit bespielten Tonträgern um einen Viertel auf 231 Millionen Franken. Stark, aber noch mit niedrigen absoluten Zahlen entwickelt sich das Geschäft mit den legalen Online-Downloads. Mit einem Wachstum von 25 Prozent in einem einzigen Jahr erwiesen sich die DVD-Verkäufe (total 249 Millionen Franken) als eigentliche Erfolgsgeschichte. Und erst 45 Prozent der Haushalte verfügen über DVD-fähige Abspielgeräte. Den ersten Platz in der Liste der bestverkauften Filme belegte "Findet Nemo" mit über 280 000 DVDs, gefolgt von "Herr der Ringe/Die Rückkehr des Königs" und "Harry Potter und der Gefangene von Askaban". Für 147 Millionen kauften Schweizerinnen und Schweizer im letzten Jahr PC- und Videogames, was einen Rückgang um 17 Prozent bedeutet. Dieser wird auf Preis- und Margenzerfall sowie auf Lieferengpässe zurückgeführt.

Der Unterhaltungsgerätemarkt (gemäss SWICO inkl. Radio-, TV-Geräte und Satelliten-Receiver) lag mit 1,5 Milliarden Franken Gesamtumsatz um 1,8 Prozent über dem Vorjahr. Den höchsten Anteil beanspruchten die Fernsehgeräte, die mit 12,5 Prozent auch das grösste Wachstum zeigten -- eine deutliche Folge des Durchbruchs der Flachbildschirme. Der Umsatz mit DVD-Recordern verdoppelte sich.

2,3 Milliarden für PC und Internet