07.02.2006

Schweizer Fernsehen büsste 2005 erneut Marktanteile ein

Auch im zweiten Jahr unter Fernsehdirektorin Ingrid Deltenre verzeichnete das Schweizer Fernsehen einen Zuschauerrückgang. Der Marktanteil lag 2005 mit 33.4 Prozent um 1.2 Prozentpunkte tiefer als im Vorjahr. Trotzdem blickt man am Leutschenbach optimistisch in die Zukunft: Seit September legt das Schweizer Fernsehen quotenmässig wieder zu. Deltenre sieht sich damit bestätigt, dass die neue Programmstruktur "Zwei Programme auf zwei Kanälen" beim Publikum ankommt.
Schweizer Fernsehen büsste 2005 erneut Marktanteile ein

Das vergangene Jahr geht als "Übergangssjahr" in die Annalen des Schweizer Fernsehens ein: Die neue Strategie "Zwei Programme auf zwei Kanälen" wurde vollzogen, der Vorabend mit je einer eigenen Quiz- und Glamour-Sendung aufgefrischt und die Nachtlücke geschlossen. Positiv auf die Zuschauer ausgewirkt hat sich die Neupositionierung aber erst seit vergangenem Herbst: Nach markanten Marktanteilsverlust in den ersten drei Quartalen, hat sich der rückläufige Trend seit September ins Positive gekehrt. Insgesamt aber büssten SF1 (- 1.0%) und SF2 (-0.4%) im Ganztagesschnitt Marktanteile ein und kommen 2005 noch auf 33.4 Prozent.

Wurde im vergangenen Jahr noch der Vorabend als Sorgenkind Nummer eins ausgemacht, ist es nun vor allem der Hauptabend, der den Sender-Verantwortlichen Kopfzerbrechen bereitet. Sowohl SF1 als auch SF2 verloren zur besten Sendezeit 0.8 Prozent Markanteil, ebenso sank der Anteil am späten Abend insgesamt um ein Prozent. Aber auch das Vorabendprogramm entwickelte negativ: Zwar zeigten die Programmänderungen auf SF1 Wirkung (+0.3), im Gegenzug jedoch verlor SF2 1.4 Prozent Marktanteil.

Ingrid Deltenre strich dessen ungeachtet an der SF-Jahres-Medienkonferenz das Positive heraus: "Ich bin guten Mutes, weil das letzte Quartal und der Januar so positiv verliefen", so die Fernsehdirektorin. Sie führt die insgesamt rückläufige Entwicklung zum einen auf die fehlenden Sportereignisse zurück. "Wir haben mit den Einbussen gerechnet." Zum anderen macht sie für die Verluste am Hauptabend vor allem den Umstand verantwortlich, dass das Programm grösstenteils unverändert geblieben ist -- hier zeige sich, dass Stillstand oft Rückschritt bedeute, so Deltenre selbstkritisch.

Massiv zulegen konnte dagegen das Schweizer Fernsehen in der Nacht: Mit der Schliessung der Nachtlücke wurde eine Steigerung um 4.5 Prozentpunkte erreicht. Auf den Ganztagesschnitt hat diese Erhöhung indes keine Wirkung, da das Zuschauerpotienzial in der Nacht zu gering ist. Ebenfalls sehr positiv entwickelt sich der Wiederholungskanal SF info. Er kam zum ersten Mal auf einen Marktanteil von einem Prozent. Offenbar schätzt nicht nur Bundespräsident Moritz Leuenberger diese Dienstleistung des Schweizer Fernsehens in Sachen Information.

Hatte 2005 beim Schweizer Fernsehen vor allem die Stärkung des Vorabends Priorität, soll 2006 dem seit vier Jahren anhaltenden Trend rückläufiger Marktanteile mit diversen "Programm-Innovationen" begegnet werden. Neben der Lancierung neuer Formate wie "Genial daneben" und der Fussball-Event-Serie "Der Match", werden eine ganze Reihe von Informationssendungen konzeptionell überarbeitet. So "Schweiz aktuell", "Rundschau", "Arena", "Glanz & Gloria", "Meteo", "Quer", "Schulfernsehen" und die Abstimmungssendungen.

Grosse Produktionen wie "Musicstar", "Sahlenweidli" oder "Traumjob" sind für 2006 derweil nicht geplant. Das Schweizer Fernsehen wird im kommenden TV-Jahr ganz auf die grosssen Sportanlässe setzen, die mit den Olympischen Winterspielen in Turin und der Fussball-Weltmeisterschaft in Deutschland anstehen. Das "ausserordentliche Sportjahr" lässt das Schweizer Fernsehen denn auch auf höhere Marktanteile hoffen. Denn beide Ereignisse finden zur besten Sendezeit statt und werden vom Schweizer Fernsehen mit einem Grossaufwand übertragen. SF wird die Sport-Sendungen im laufenden Jahr an das neue Erscheinungsbild anpassen.

Weitere Schwerpunkte des Fernsehjahrs 2006 sind Schweizer Filme, darunter acht Premieren, die jeweils am Sonntagabend auf SF1 gezeigt werden. Laut Deltenre ist das Angebot an Filmen und Serien wiederum reich an Delikatessen und Free-TV-Premieren. Geplant sind ausserdem mehrere Thementage zu kulturellen Veranstaltungen.


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