Bernard Thurnheer, SRF
"Ich werde jeden zweiten Tag ein Spiel kommentieren, insgesamt neun. Ich werde eben soviele Flüge hinter mich bringen, von Kiew nach Charkow und zurück und manchmal erst morgens um 2.00 Uhr wieder in Kiew zurück sein. Es wird auch zwei Stippvisiten nach Warschau und nach Danzig geben. Alles in allem erwartet mich ein Leben zwischen Hotel, Stadion, Taxi und Flugzeug. Besonders freue ich mich auf die zwei Tage in Danzig, eine Stadt, die ich schon immer einmal kennenlernen wollte. Aber eigentlich freue ich mich auf jedes einzelne Spiel, denn jedes ist 'bedeutend' und wird in einer vollen Arena mit viel Stimmung ausgetragen. Ich erwarte, dass die Polen und die Ukrainer gastfreundlich sein werden und sich viel besser präsentieren werden als ihr nicht gerade ausgeprägter touristischer Ruf. Ich erwarte von beiden die Qualifikation für den Viertelfinal. Klar, das Fehlen der Schweiz mindert das Interesse meines 'Kundenkreises' an dieser EM. Aber da sich die Schweiz medienmässig auch von den Konsumenten her, stark an Deutschland anlehnt, rechne ich trotzdem mit grossem Interesse, sobald die EM begonnen hat. Für meine journalistische Arbeit ist dies kein Neuland. Jahr für Jahr kommentiere ich die Spiele der Champions League in der Endphase ohne Schweizer Beteiligung. 'Sehr gut informiert, aber neutral', das darf der SRF-Zuschauer von mir erwarten."
Peter M. Birrer, Tagesanzeiger
"Ich werde 'nur' die Vorrunde in der Ukraine verbringen, danach bin ich wieder in Zürich. Ich werde ab dem 5. Juni vor Ort sein und mich auf Tage einstellen, die sich vom gewöhnlichen Alltag ziemlich unterscheiden. Die Distanzen zwischen den Spielorten sind beträchtlich, die Tage lang, weil das zweite Spiel am Abend erst um 21.45 Uhr Ortszeit beginnt. Ich freue mich auf möglichst viele Begegnungen abseits des Rasens und natürlich auf guten Fussball. Wünschens- und empfehlenswert wäre, dass die beiden Gastgeberländer mit Übernachtungs- und Transportpreisen nicht masslos übertreiben, weil sie damit Gäste abschrecken und verärgern. Zweifellos ist es eine andere Ausgangslage und ein anderer Hype, wenn die Schweiz dabei ist siehe WM 2010 oder nur schon EM 2004. Journalistisch bedeutet dies, dass ein grosser Teil der Berichterstattung wie in früheren Turnieren wegfällt und wir uns auf andere Themen stürzen müssen und dürfen. Die reine Matchberichterstattung ist in TV- und Internetzeiten nicht mehr das Wichtigste für Printjournalisten, wir müssen uns auf Reportagen, Hintergründiges und Analytisches konzentrieren."
Heiko Ostendorp, Blick
"Wir sind bereits unterwegs, da wir mit dem Blick-EM-Mobil, einem Camper, in die Ukraine reisen. Unsere Anreise geht über 4 Tage via Nürnberg, Görlitz, Krakau nach Lemberg, wo wir dann das Spiel Deutschland gegen Portugal sehen werden. Insgesamt werde ich wahrscheinlich 5 Spiele besuchen, bevor wir am 20. 6 die Rückreise antreten werden. Ich freue mich vor allem darauf, Land und die Leute kennenzulernen und neue Erfahrungen zu sammeln. Dazu natürlich auf spannende Matches, die hoffentlich ausgelassenen Fans und unseren Abenteuer-Trip. Ich erwarte vor allem, dass es ein friedliches Turnier geben wird. Ich hoffe, dass die Organisation besser ist, als man im Vorfeld gehört und gelesen hat. Und ich persönlich hoffe auf freundliche Gastgeber und Reisen ohne grössere Zwischenfälle. Dass die Schweizer Nati nicht dabei ist, hat natürlich einen Einfluss auf unsere Berichterstattung, In erster Linie sind wir dadurch mit weniger Reportern vor Ort und werden unsere Schwerpunkte ein wenig verlagern. In der Vorrunde wird es vor allem darum gehen, den Lesern Land und Leute näher zu bringen, 'bunte' Geschichten zu machen. Auch in der Schweiz haben wir mit unserem Projekt 'so läuft der Hase' einen zusätzlichen Schwerpunkt gesetzt. Ab den Viertelfinals wird die Berichterstattung sich wieder hauptsächlich ums Sportliche drehen."
Peter B. Birrer, NZZ
"Entscheidend für das Wahrnehmung des Turniers ist mitunter, wie die polnische Auswahl die Euro im eigenen Land bewältigt. Scheidet sie früh aus, wird das zweifellos auf die Stimmung drücken. Ukraine dito. Das haben wir 2008 in der Schweiz erlebt, als nach zwei Spielen alles vorbei war. Man kann gespannt sein, ob die Euro in Polen und der Ukraine anders wahrgenommen wird als jene 2008. Die zwei Länder werden zweifellos eigene, voneinander völlig getrennte Turniere haben. Aber in der Regel unterscheiden sich die Turniere nicht gross. Also: Ich rechne am ehesten mit Courant normal. Speziell ist die Tatsache, dass viele Mannschaften in Polen stationiert sind und für die Spiele in die Ukraine fliegen werden. Ich freue mich, ein für mich neues Land kennenzulernen, auf gute Spiele, auch wenn zum Beispiel eine Partie wie Polen-Russland auf den ersten Blick nicht so viel verspricht. Aber genau dort kann die Chance liegen. Polen und die Ukraine werden solide Austragungsländer sein. Sportlich ist von beiden Auswahlen nicht viel zu erwarten, aber vielleicht beweisen sie uns das Gegenteil. Dass die Schweiz nicht dabei ist, verändert einiges, das nimmt auch einen klaren Fokus weg und reduziert automatisch den Umfang der Schweizer Zeitungen. Aber man muss sich stets bewusst sein, wie gering im Ausland das Interesse an der Schweizer Mannschaft ist. Man wird situativ entscheiden müssen, worauf Gewicht gelegt wird. Am ersten Wochenende wird sicher Polen im Mittelpunkt sein. Nachher kann's mal Trapattoni (Irland) oder Hodgson (England), Spanien oder whatever sein."
Fabian Ruch, BZ Bernerzeitung
"Die Berner Zeitung arbeitet während der Euro mit der Basler Zeitung zusammen. Der Kollege der BaZ wird in Polen, ich in der Ukraine sein. Es wird spannend und wohl auch ein bisschen abenteuerlich, weil vieles anders ist als an bisherigen Fussballturnieren. So weiss man nicht so genau, wie der Transport funktionieren wird. Ich werde in allen vier ukrainischen Austragungsstädten sein - am meisten und längsten in Kiew. Ich freue mich auf neue Erfahrungen, auf Begegnungen mit Leuten fernab des EM-Trubels. Und ganz besonders auf ein Fussballfest. Hoffentlich steht der Fussball im Mittelpunkt und nicht irgendwelche Probleme wie Fangewalt oder Anschläge. Ehrlich gesagt erwarte ich von den Austragungsländern aber nicht so viel wie zum Beispiel von Südafrika 2010 an der WM oder den anderen Turnieren in den letzten Jahren. Für Polen und die Ukraine kann es aber auch eine Chance sein, dass die Erwartungen nicht so gross sind. Ich bin überzeugt, dass die Gastfreundschaft der Länder beeindruckend sein wird. Auch wenn gerade in der Ukraine vermutlich nicht alles so klappen wird wie an der WM 2006 in Deutschland oder während der Euro 2008 in der Schweiz und Österreich! Es macht natürlich einen grossen Unterschied, ob die Schweiz dabei ist oder nicht. Wir planen während der Euro mit zwei Seiten pro Tag, was im Vergleich zu den letzten Turnieren, als die Schweiz dabei war, sehr wenig ist. Man muss neue Schwerpunkte setzen, zum Beispiel mit Reportagen vor Ort, aber auch mit Hintergrundberichten. Aber am Ende geht es um Fussball, es geht darum, wer Europameister wird. Und das interessiert viele Leser ja doch sehr."
Wer wird Fussball-Europameister 2012? Die Experten tippen:
Umfrage: Benedict Neff