Schweizer Medien zollen Sommaruga Respekt

Presseschau - Die Kommentatoren bringen dem unerwarteten Rücktritt der Medienministerin grosses Verständnis entgegen. Der Schlaganfall ihres Mannes habe ihre Pläne über den Haufen geworfen. Ihr Schritt verdiene grosse Anerkennung.

Simonetta Sommaruga, die häufig unnahbar wirke, habe in Erinnerung gerufen, was sie während ihrer Amtszeit zeitweilig habe vergessen lassen, nämlich dass auch Bundesrätinnen und Bundesräte letztlich Menschen seien, schreiben die Tamedia-Zeitungen.

Dieser Entscheid verdiene Respekt, heisst es im Blick. Sommarugas Rücktritt zeuge von Verantwortungsbewusstsein – gegenüber dem Land, gegenüber den Regierungsratskollegen und gegenüber ihrer eigenen Familie. Sie sende ein starkes Signal aus: Der Job sei nicht alles, niemand sei unersetzbar.

Die Neue Zürcher Zeitung fokussiert in ihrem Kommentar auf die Grünen. Sie hätten ohne lange Bedenkzeit entschieden, dass sie auf eine Kampfkandidatur gegen die SP verzichteten. Der Entscheid erstaune. Die Chancen auf einen Bundesratssitz seien noch nie so gut gewesen wie jetzt nach dem Rücktritt der SP-Bundesrätin Sommaruga.

Die 62-jährige Bernerin wäre wohl gerne noch etwas geblieben, so das Online-Newsportal Watson. Sie höre mitten in einer Energiekrise auf, und auch sonst hinterlasse sie einige Baustellen. Die SP habe den Vorteil, nicht um den Sitz im Bundesrat bangen zu müssen.

Der Kommentator in der Südostschweiz betont die menschliche Seite des Schritts von Sommaruga nach dem persönlichen Schicksalsschlag. Das sei ein starkes Zeichen. Und es verdiene Anerkennung über die Parteigrenzen hinaus. Sie habe als Bundesrätin mehrere Pflöcke eingeschlagen, so in der Asylpolitik und im Klimaschutz.

Trotz Lust an der Macht sei ihr die Freude am Amt seltener anzumerken gewesen als dessen Last, kommentieren die CH-Media-Zeitungen. Sie zeige grosses Verantwortungsgefühl. Am Ende hätten sie die Emotionen übermannt, als sie den Schlaganfall ihres Mannes erwähnt habe.

Der Rücktritt von Sommaruga und Maurer zum gleichen Zeitpunkt markiere das Ende einer Epoche, schreiben die Westschweizer Medien 24 Heures und Tribune de Genève. Das grosse Sesselrücken im Bundesrat dürfte mit der Doppelvakanz Einzug halten.

Der Rücktritt Sommarugas verkörpere exemplarisch die Persönlichkeit der Bundesrätin, kommentiert Le Temps. Sie trete strikt und streng auf. Hinter der harten Schale verberge sich jedoch ein zutiefst menschlicher Kern. Sie opfere ihre Karriere für ihr Privatleben. (sda/cbe)