Migration und Migranten sind mit 6,4 Prozent in den Inlandbeiträgen des öffentlichen und privaten Rundfunks in der Schweiz nur ein Randthema, und es dominiert eine negativ wertende Sichtweise. Bei den privaten Sendern steht das Thema "Kriminalität von Migranten" an erster Stelle. Demgegenüber leisten die nichtkommerziellen Komplementärradios mit einem vielfältigen Programmangebot einen wichtigen Beitrag zur Integration der Migranten. Zu diesen Resultaten kommt eine Studie, welche am Institut für Publizistikwissenschaft der Universität Zürich zusammen mit klipp & klang radiokurse durchgeführt wurde.
Die Frage nach dem Stellenwert von Migranten und Migration in den Programmen wurde mittels einer quantitativen Inhaltsanalyse von 1291 Sendungen mit total 7286 Inlandbeiträgen in den öffentlichen und privaten Radio- und TV-Programmen in den Räumen Zürich und Bern (April August 2007) untersucht.
Die Detailanalyse zeigte neben der geringen Relevanz des Themas einen Fokus auf Politik; Migranten werden zudem im Kontext von Kriminalität und Justiz meist als soziales Problem dargestellt. Themenspezifische Hintergrundinformation fehlt vielfach. In 46 Prozent aller thematischen Beiträge mit Wertungstendenz dominiert eine negative Sichtweise, wonach Migranten als kulturelle Bedrohung, Konkurrenz, finanzielle Belastung oder Unruhestifter betrachtet werden. Im Medienvergleich wird in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkprogrammen das Thema Migration stärker positiv bewertet als bei den privaten Sendern.
Mittels einer Online-Befragung wurden schliesslich die Mediennutzung und Medienbewertung von 361 Migranten untersucht. Diese verfügten allerdings über einen relativ hohen Bildungshintergrund. Als Ergänzung wurden 11 Gruppengespräche mit einzelnen Minderheitsgruppen durchgeführt. Die Befunde zur Sprache der Mediennutzung zeigen, dass kein Medienghetto besteht: Die Nutzung der Medien erfolgt mehrheitlich in deutscher Sprache, wobei Migranten aus Italien und dem Balkan am stärksten TV-Programme komplementär auch in ihrer Heimatsprache nutzen.
Als Problem zeigte sich, dass zwei Drittel der Befragten finden, dass in den Schweizer Medien über Migranten zu negativ berichtet wird; die Kritik am Bild der Medien über Migranten ist mit rund 80 Prozent am negativsten bei Migranten aus der Türkei und bei (eingebürgerten) Schweizern mit Migrationshintergrund. Dementsprechend besteht Skepsis in Bezug auf die Frage, ob die Schweizer Medien bei der Integration und beim Zurechtkommen in der Schweiz ausreichend helfen würden.