Schweizer Zeitungen von Bahnfieber befallen

Fahrplanwechsel - Zeitungen sind begeistert von Bahn 2000.

Die Schweiz ist seit dem Fahrplanwechsel von einem kollektiven Eisenbahnfieber befallen. Auch die Zeitungen geben sich am Tag nach der Fahrplanumstellung fast durchwegs euphorisch.

"Und die Schweiz bewegt sich doch", bringt der Blick die Begeisterung auf den Punkt. Trotz Einsprachen, Blockaden und Klagen zeige die Bahn 2000, dass der Pioniergeist nicht tot sei. Das neue SBB-Angebot sei eine Investition in die Zukunft des Landes, eine Vorleistung für weitere wirtschaftliche Prosperität, meint der Tages-Anzeiger. Bahn 2000 sei auch ein Ausdruck von Weitsicht und Zukunftsglaube.

Grossstädte mit neuen Vororten

"Umsteigen ist jetzt angesagt", schreibt deshalb die Aargauer Zeitung. Der moderne Mensch sei allerdings nur zum Umsteigen bereit, wenn er schneller, sicherer und bequemer vorwärts komme. Mit dem neuen Fahrplan drifte der Aargau auseinander. Zofingen gelte als Vorort von Bern, die Region Mutschellen gehöre zur Agglomeration Zürich.

Ähnliches diagnostiziert auch die Neue Luzerner Zeitung in ihrem Gebiet. "Willkommen in Zürich Süd" überschreibt sie ihren Kommentar. Die Zentralschweiz habe schon vor Jahren erkannt, dass sie sich nicht in Konkurrenz zu Zürich befinde, sondern einen Teil dieser Grossregion darstelle.

Keine Verlagerung auf die Strasse

Etwas allgemeiner sieht dies der Bund: Die Entwicklung der Kernstädte hin zu reinen Dienstleistungs- und Konsumzentren werde durch Bahn 2000 tendenziell beschleunigt. Das Privat- und Freizeitleben finde zunehmend ausserhalb statt.

Für das Oltner Tagblatt gilt dies aber nicht überall. Wer ausserhalb derprivilegierten Gebiete wohne oder arbeite, bleibe weiter auf private Verkehrsmittel angewiesen. Bei der gegebenen Siedlungsstruktur werde auch eine fast perfekt funktionierende Bahn 2000 keine Verlagerung von der Strasse auf die Schiene bewirken.

Die Südostschweiz attestiert der Bahn 2000 einen sauberen Start. Der öffentliche Verkehr werde jetzt sozusagen unwiderstehlich. Dennoch warnt der Kommentator: "Die Bahn 2000 fährt, aber die Korken knallen lassen wir mal ein bisschen später".

Kanton Jura als grosser Gewinner

Auch die Westschweizer Zeitungen gewinnen dem neuen Schweizer Bahnkonzept durchaus positive Seiten ab. Mit der Bahn 2000 rücke die Schweiz enger zusammen, auch wenn die Befürworter der Swissmetro enttäuscht sein mögen, schreibt Le Temps.

24 heures wirft bereits einen Blick in die Zukunft und ortet in der Beseitigung des Engpasses zwischen Lausanne und Genf die nächste grosse Aufgabe für die SBB. Wenig Hoffnungen dürfe man sich auf die Verkürzung der Reisezeit zwischen Lausanne und Bern auf unter eine Stunde machen.