"Seine Kritiker muss man sich verdienen"

- Die SonntagsZeitung erhob schwere Vorwürfe gegen Thomas Bornhauser, Chefredaktor der Neuen Luzerner Zeitung. Er "herrsche mit eiserner Faust" und übe Druck auf Redaktoren aus, von der Festanstellung zur Anstellung im Stundenlohn zu wechseln. Nur dank diesem "Sozialdumping" seien die guten Ergebnisse möglich. Im Interview mit "persoenlich.com" nimmt Bornhauser Stellung zu den Anschuldigungen.

Herr Bornhauser, stimmt es, dass Sie auf Redaktoren Druck ausüben, damit sie von der Festanstellung zum Stundenlohn wechseln?

Diesem Vorwurf fehlt jegliche Grundlage. Typischerweise kommt er in billiger Boulevardmanier anonym daher, zusammengeschustert im Übrigen von einem ehemaligen Mitarbeiter von NZZ und Neuer LZ! Wir sind stolz auf unsere Arbeitsverhältnisse. Nicht umsonst ist unsere Redaktion von hoher Stabilität geprägt. Und von jenen, die anderswo Erfahrungen sammelten, kamen etliche zurück. Übrigens auch schon von der Sonntagszeitung! Aber man muss für Kritiker von diesem Zuschnitt auch Verständnis aufbringen: Wer Erfolg hat, braucht sich um Neider ja nicht zu sorgen! Und im Falle der SoZ reicht offenbar das redaktionelle Erstarken der NZZ am Sonntag für niveaudrückende Nervosität.

Das heisst, die Darstellung der SonntagsZeitung ist falsch?

Richtig ist, dass die NZZ bei uns seit kurzem Mehrheitsaktionärin ist. Falsch und mit nichts belegt ist die Behauptung, wir würden von der NZZ heute ausgehöhlt. Richtig ist hingegen, dass Tamedia in Konkurrenz zur NZZ steht. Ebenfalls richtig ist, dass es im Umfeld jedes erfolgreichen Medienunternehmens Heckenschützen und Besserwisser gibt. Falsch und mit nichts belegt hingegen ist die Unterstellung, unseren Leuten ginge es nicht gut. Im Gegenteil: Im Verlauf der Jahre haben wir hier in der Zentralschweiz eine Zeitungsfirma mit richtig modernen Rahmenbedingungen aufgebaut. Mit konsequenter Vertragstreue. Mit erstklassiger sozialer Absicherung für unsere Leute auch ohne GAV, zum Beispiel auch mit hundertprozentig abgesichertem Lohn im Krankheitsfall über volle 2 Jahre. Mit Erfolgs- und mit Leistungsprämien. Mit Personalabteilung und unabhängiger Personalkommission. Und im letzten Jahr haben wir beispielsweise auch eine Mitarbeiterbefragung durchgeführt mit der Möglichkeit anonymer Teilnahme. Mit vorzüglichen Ergebnissen. Ganz so schlimm kann es also nicht sein, wie im Übrigen auch ein Blick in die lebendigen Spalten unserer Zeitung offenbart.

Sie sollen laut SonntagsZeitung mit Ihrem Führungsstil Angst und schrecken verbreiten. Ist dem so?

Ja, natürlich, mit der Eisenfaust! Und wie! Manchmal wage ich nach geführter Diskussion sogar eine Stossrichtung vorzugeben oder im Konfliktfall einen Entscheid zu fällen! Im Ernst muss man wissen: Dieser sogenannte Führungsstil war vor nunmehr zehn Jahren das "Argument" jener, die sich bei der Gründung eine andere Zeitung mit anderem Stallgeruch wünschten. Aber daraus ist nichts geworden. Dafür haben wir uns in 10 Jahren unermüdlicher Arbeit Schritt für Schritt auf der Strasse des Erfolgs behauptet. Das schafft in der Tat auch Neider. Und auch seine Kritiker muss man sich redlich und Schritt für Schritt verdienen! Im Team aber schweisst eine solche Entwicklungsgeschichte natürlich zusammen. Nicht umsonst ist zum Beispiel die durchschnittliche Amtsdauer meiner Kollegenschaft in der Redaktionsleitung annähernd so hoch wie das Alter der Zeitung, nämlich bei bald einmal 10 Jahren!

Die Neue LZ liefert gute Ergebnisse in Zürich ab. Dient sie der NZZ nur als Cashcow?

Ich wäre der erste, der sich mit aller Kraft gegen Missbrauch unserer Zeitung wehren würde. Das einzige Geld, das heute indessen abfliesst, ist die Dividende für die Aktionäre. Und die entspricht bestenfalls dem Ertrag einer sehr konservativen Anlage. Auch im historischen Vergleich ist auf den ersten Blick erkennbar, dass heute viel mehr Substanz in der Zeitungsfirma bleibt als in gewissen Jahren vor dem Einstieg der NZZ. Nicht umsonst hat sich unsere Eigenkapitalisierung vorzüglich entwickelt.

Sind Sie stolz darauf, dass Ihre Zeitung so gut rentiert?

Stolz bin ich darauf, Mitarbeiter jener führenden Tageszeitung zu sein, die in der Zentralschweiz zu Hause ist und sich für die Leute in diesem Lebensraum als unabhängige publizistische Stimme engagiert; einer Zeitung, welcher vor zehn Jahren, als sie gegründet wurde, von manchen schneller Misserfolg vorhergesagt wurde, die heute aber zu den erfolgreicheren in diesem Land zählt! Und besonders stolz bin ich darauf, dass dieser Erfolg auch der Redaktion und der Leserschaft zugute kommt, zum Beispiel, indem wir in diesem Jahr in der Höhe eines stolzen sechsstelligen Betrages ausbauen und neue Zeitungsteile realisieren können, während andere Zahlzeitungen innert Jahresfrist sechs- und siebenstellig abbauen mussten.

Laut Sonntagszeitung ist die Partnerschaft einseitig. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit der Neuen LZ mit der NZZ aus Ihrer Sicht?

Der Einstieg der NZZ bei uns ist wenige Jahre alt, und man soll bekanntlich nicht den Tag vor dem Abend loben. Aber klar ist: Wenn schon Partnerschaft, warum dann nicht mit der NZZ? Jedenfalls vertritt dieses Haus nach wie vor eine erstklassige publizistische Kultur in diesem Land, und ich bin zuversichtlich, dass dies auch uns zum Nutzen gereichen kann. Im überregionalen Bereich jedenfalls werden redaktionelle Kooperationen mit Sicherheit an Bedeutung gewinnen. Und auch da ist das Haus NZZ eine prima Adresse.

Konkreter: Wo kooperieren die beiden Titel schon heute, in welchen Bereichen ist eine redaktionelle Zusammenarbeit mit dem Mutterhaus geplant?

In der Zusammenarbeit mit anderen Medien denken wir nicht in der Kategorie von Medientiteln, sondern wir machen die mutmasslichen Bedürfnisse in unserer Leserschaft zum Massstab. Entsprechend brauchen und wollen wir für unser redaktionelles Vorgehen auch keine Vorgaben vonseiten der NZZ. Vielmehr orientieren wir uns beim möglichen "Einkauf" von Beiträgen eigenständig an der Frage, wo sich für uns eine Zusammenarbeit lohnt mit dem Ziel, das Verhältnis von Qualität und Preis zu optimieren. In den letzten Jahren war der entsprechende Austausch mit der BZ am intensivsten. Seit einer gewissen Zeit ist er auch vermehrt mit dem "Bund" zustande gekommen. Fürs WEF in Davos werden wir auch mit dem St. Galler Tagblatt kooperieren. Und an der Winterolympiade in Turin voraussichtlich auch mit der NZZ-Sportredaktion. Und wir beziehen nicht nur, wir beliefern auch. Fallweise zum Beispiel auch die Sonntagszeitung. Falls gewünscht natürlich auch weiterhin. Wir sind ja nicht nachtragend!

Welche Gewinnziele streben Sie an?

Klar ist, dass Erfolg die Voraussetzung darstellt für nachhaltige Investitionsbereitschaft. Nur so machen Kapitalgeber auf Dauer motiviert mit. Aber es gibt auch die Mitarbeiter - und nicht zuletzt die Leser! Leistungsfähige Zeitungskühe wollen kontinuierlich gepflegt und genährt werden! Das heisst im Klartext: Erträge müssen auch in die Zeitung reinvestiert werden. Das ist der ultimative Tatbeweis für den langfristigen Glauben an die bezahlte Qualitätszeitung. Bei uns ist dieser Glaube heute offensichtlich gegeben. Aber auch Erreichtes muss immer wieder aufs Neue erkämpft sein.

Das Interview wurde schriftlich per E-Mail geführt.