Sie hat in der Schweiz einen Bekanntheitsgrad von 90 Prozent, doch gesehen hat sie nie jemand: Betty Bossi ist eine Kunstgestalt, ihr Vorbild die amerikanische Betty Crocker. "Was soll ich heute kochen?" hiess die Frage am Anfang der Erfolgsstory.
Im April 1956 erschien erstmals die "Betty Bossi Post" auf Deutsch und Französisch -- ein Informationsblatt, das gratis bei Detailhändlern auflag. Der Inhalt drehte sich vor allem ums Kochen. Herausgeberin war die Unilever Schweiz, die das Infoblatt nutzte als Werbeplattform für Öle, Fette und Margarinen von Astra/Sais.
Die Idee für "Betty Bossi" stammte aus den USA, wo zu der Zeit eine an Hausfrauen gerichtete Zeitschrift namens "Betty Crocker" äusserst erfolgreich war. In der Schweiz wurde der Vorname Betty von der Werbeagentur übernommen, weil er damals in allen Teilen des Landes beliebt war. Auch Bossi kam als Nachname überall vor.
Der Name "Betty Bossi" stammt ursprünglich von der Zürcher Werberin Emmi Creola-Maag. Sie brachte die Produkte des Speisefetthersteller Sais/Astra unter die Leute bringen. Den weitverbreiteten Nachnamen "entlehnte" sie von einer Bekannten.
Mitte der 60er-Jahre erschien die "Betty Bossi Post" schon alle sechs Wochen. 1966 wurde das Abonnentensystem eingeführt, 1972 die "Betty Bossi Fachzeitschrift für modernes Kochen und Haushalten" lanciert. Mit einer Auflage von rund 900 000 Exemplaren ist die "Betty Bossi Zeitung" heute die meistverkaufte Kochzeitschrift.
Riesenerfolg und Dauerbrenner
1973 kam das erste Kochbuch, das "BackBuch", auf den Markt, von Beginn weg im Hochformat und mit Spiralbindung -- ein "Riesenerfolg und Dauerbrenner", wie der Betty Bossi Verlag schreibt. Bis heute sind über 60 Kochbücher in Deutsch und Französisch erschienen.
1977 wurde die Betty Bossi Verlag AG gegründet und unabhängig vom Mutterhaus Unilever geführt. 1986 erfolgte die Eröffnung der Kochschule. Heute werden pro Jahr über 200 Kurse für mehr als 3000 Teilnehmende durchgeführt.
1995 wurde die Betty Bossi Verlag AG von Unilever an die Ringier AG verkauft. 2001 übernahm Coop von Ringier 50 Prozent der Aktien. Der Grossverteiler bietet seit 2002 Frisch-Convenience-Produkte unter "Idée Betty Bossi" an. Seit 1998 auch im Web.
Zu den Printmedien kamen die elektronischen Medien. 1998 wurde eine der ersten Online-Kochplattformen in der Schweiz gestartet, 2001 der erste kulinarische Gratis-E-Newsletter. Für Abonnenten gibt es eine Telefon-Hotline und eine E-Mail-Beratung.
Seit 2001 sendet das Schweizer Fernsehen die Koch- und Quizshow "al dente". Das Westschweizer Fernsehen hat "al dente" für die Romandie adaptiert. Auch dahinter steht Betty Bossi. (sda)