"Seit Diana an der Seite von Charles auftauchte, schrieb ich über sie"

- Zehn Jahre nach ihrem Tod erleben Biografien über Lady Di wieder Hochblüte. Fiel die Prinzessin einem unglücklichen Autounfall zum Opfer oder doch einem inszenierten Mordkomplott? Helmut Maria Glogger, Kenner des englischen Königshauses und seit mehr als zwei Jahrzehnten in Diensten Rinigers, lässt in seinem neuen Buch noch einmal das Leben von Diana Revue passieren. Dass bei ihrem Unfalltod alles mit rechten Dingen zuging, glaubt er so wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. Das Interview:

Helmut-Maria Glogger, Lady Di ist nun seit zehn Jahren tot, eine Reihe neuer Biografien erscheinen nun auf dem Markt. Gibt es überhaupt noch etwas Neues zu berichten?

Ja, sonst hätte ich das Buch "Diana -- eine Frau sucht das Leben" nicht geschrieben. Alle Biografen suhlen sich meist in den Intrigen, dem Hass, der Wut, der Eitel- und Zickigkeit der "Prinzessin der Herzen". Woher aber kommt Diana wirklich? Wie war das Leben ihrer Mutter, ihres Vaters, ihre Kindheit zwischen zwei Alkoholikern? Ja – ist Johnny Spencer überhaupt ihr leiblicher Vater? Wie war das mit Dianas Schwester und Prinz Charles? Sind die Spencers nicht das weitaus adeligere Geschlecht als die Windsors? Und dann gibt es noch die verschwiegene Sexualität von Diana. Oder glauben Sie allen Ernstes, dass diese Frau jemals Befriedigung bei Prinz Charles fand?

Was halten Sie von anderen Diana-Biografien wie der von Tina Brown, die immerhin mal Chefredaktorin der "New Yorker" war?

Ich finde es grundsätzlich gut, dass sich gewiefte Journalistinen kritisch mit Diana auseinandersetzt. Nur: Wenn die Wölfe den Mond anheulen, muss ich ja nicht mitbellen. Leider ist manches einfach nicht richtig recherchiert in diesen Büchern. So gibt es im Todestunnel unter dem Pariser Place d´Alma beim besten Willen keine starke Linkskurve. Unsinn: es gibt eine ganz leichte Rechtskurve.

Wie lange haben Sie für Ihr neustes Buch recherchiert?

Wenn wir alles zusammenzählen, dann seit 27 Jahren. Seit Diana an der Seite von Charles erstmals auftauchte, schrieb ich über sie und konnte damals eben Kontakte knüpfen, die sich bis heute auszahlen.

Sie gelten als exzellenter Kenner des englischen Königshauses. Aus welchem Umfeld stammen Ihre Informationen?

Erstens hatte ich noch die Möglichkeit, auf verhältnissmässig offene Türen zu treffen, als es noch keinen Diana-Hype gab. Zweitens konnte ich alle, wirklich alle Orte besuchen, die für Diana wichtig waren. Drittens liess ich keine Chance aus, dieser Frau nahe zu kommen, sei dies auf Pressereisen oder Pressekonferenzen, auf Charity-Veranstaltungen, bei Hochzeiten, Todesfällen, selbst in ihrem Fitness-Studio war ich. Viertens bin ich eng mit Kollegen in England befreundet, die vieles nicht schreiben können, nicht dürfen. Fünftens habe ich hier in der Schweiz eine Dame, die mir alles gegenliest -- die lebt für die britischen Royals.

Handelte sich bei Dianas Todesfall nicht um einen unglücklichen Autounfall...

Aber sicher, wenn wir alles glauben, was uns der Pariser Untersuchungsrichter Hervé Stéphan und seine Kollegin Martine Monteil auftischen. Seltsam ist nur, dass es in dem geheimen, nur in Auszügen bekannten, fast 10 000seitigem Untersuchungsbericht drei verschiedene Angaben zum Alkoholwert im Blut von Todesfahrer Henri Paul gibt, auch pendeln die Angaben der Geschwindigkeit bei der Einfahrt in den Tunnel. Seltsam ist auch, dass angeblich die Videokamera vor der Tunneleinfahrt genau in dieser Nacht "kaputt" gewesen sein sollen; was später korrigiert wurde: Die waren um 21. 00 Uhr abgestellt worden. Warum? Warum brauchte der Krankenwagen mit Diana fast zwei Stunden vom Unfallort bis zum Spital? Wo die besten französischen Chirurgen bereits warteten, warteten, warteten. Was wurde in dieser Zeit hinter den Kulissen vom wem entschieden? Warum wurde der Unfallort sofort nach Beseitigung des Todes-Mercedes so gründlich gereinigt, dass sich keinerlei Spuren mehr nachweisen lassen? Und -- warum wurde die Leiche von Diana noch in Paris einbalsamiert? Wenn dies alles zu einem ganz normalen Unfall gehört -- dann glaube ich auch, dass unsere Erde eine Scheibe ist.

Glauben Sie gar an Mord...

Sagen wir mal so: Ich glaube an einen Unfall, den viele herbeigesehnt haben.

Wird man die Hintergründe über Dianas Tod je endgültig klären können?

Hat man die von den Todesschüssen auf Präsident Kennedy in Dallas je endgültig geklärt? Oder die Rolle der Kennedys beim Tod von Marilyn Monroe? Nur soviel: Es ging bei Diana nie um den Menschen, sondern um Macht. Die britische Monarchie hat sich über 1000 Jahre lang nur dadurch gehalten, dass die Könige und Königinnen von einem besessen waren: die Macht auf Teufel und Tod heraus zu erhalten. Da war Diana nun wirklich nur eine kleine Kindergärtnerin, die auf welche Art auch immer, geopfert wurde.

Welches sind Ihre nächsten Projekte?

Eine ungeschminkte Geschichte über die Deppen, Debilen, Irren, Wahnsinnigen, Syphilitiker, Sex-Besessenen und Schwulen, Flagelanten, die als Könige und Königinnen 1000 Jahre lang England regiert haben. Es gibt also noch viel zu recherchieren und zu berichten.

(Interview: Matthias Ackeret)

--> Helmut-Maria Glogger: "Diana. Eine Frau sucht ihr Leben." Knaur Verlag 2007.