Am 17. März 2002 erschien die NZZ am Sonntag erstmals. Die Zeitung hat sich mit solidem journalistischen Handwerk etabliert. Der Lackmustest steht jedoch noch an: In diesen Wochen laufen die gut 100'000 Gratisabonnemente aus.
Grösstes Problem sei gewesen, die in ihrer Zusammensetzung sehr heterogene Redaktion zusammenzuführen, erinnert sich Chefredaktor Felix E. Müller an die Startphase. "Es war nicht einfach, die Redaktion auf eine einheitliche Linie zu bringen." Diskutiert wurde darüber, wie stark man sich im Newsbereich engagiere, wie viele Risiken man sich erlauben könne, sagt Müller gegenüber der Nachrichtenagentur sda. "Unser Selbstanspruch war, gewisse Limiten nicht zu überschreiten." Im Gegensatz zur Tageszeitung NZZ sei es für eine Wochenzeitung Pflicht, Stoffe zu kreieren. Diese Diskussionen seien aber schnell Debatten über Inhalte gewichen. Die Stärke des Blattes ist laut Müller, dass es die Qualitäten der NZZ wie Genauigkeit der Informationen und Zuverlässigkeit in einem anderen Gewand -- farbiger und lebendiger -- erreiche. "Die Zeitung ist das Highlight", resümiert Müller, "nicht einzelne Geschichten oder Artikel".
Verlagsleitung zufrieden -- Ende der Gratisabonnemente
Zufrieden mit dem Gedeihen der NZZ am Sonntag ist auch NZZ-Verlagsleiter Tobias Trevisan. Im Durchschnitt betrug die Auflage im ersten Jahr 160'000 bis 170'000 Exemplare. "Wir haben alle Ziele erreicht und gewisse sogar übertroffen." Allerdings befindet sich die Zeitung in einer für die künftigen Abonnementszahlen entscheidenden Phase -- 108'00 Gratisabonnemente laufen aus. Noch ist offen, wieviele NZZ-Leserinnen und -Leser, die bisher die Zeitung gratis erhalten haben, der Zeitung die Treue halten. Um das ambitiöse Auflagenziel von mittelfristig 150'000 Exemplaren zu erreichen, müssen zu den 30'000 Abonnenten und den (bis Ende 2002) 25'000 Kioskverkäufen etliche Neuabonnenten hinzukommen. Trevisan ist zuversichtlich, das Auflagenziel zu erreichen.
Inseratetransfer von der NZZ her
Im Inseratevolumen sei man bei den komerziellen Inseraten im Planziel, bei den Stelleninseraten darunter. Der Inserateerlös insgesamt liege aber über den Erwartungen. 20 bis 25 Prozent der Inserate stammen jedoch von der NZZ. "Damit haben wir gerechnet", sagte Trevisan. Die Sparmassnahmen bei der NZZ führten auch zur Suche von Optimierungsmöglichkeiten bei der NZZ am Sonntag. Stellen seien nicht direkt gestrichen worden, der Stellenabbau beim NZZ-Verlag betreffe die NZZ am Sonntag jedoch auch indirekt. Die Stellenanzahl in der Redaktion sei gleich geblieben.
Relativ brav und kompetent

