Schweizer Chefredaktoren nehmen selten von einem Tag auf den anderen den Hut. Ähnliche Fälle wie denjenigen von Mathias Nolte beim SonntagsBlick gibt es durchaus. Mit sofortiger Wirkung trat im August 1997 etwa Ueli Haldimann von seinem Chefposten bei der SonntagsZeitung zurück. Der heutige Chefredaktor des Schweizer Fernsehens DRS musste damals als Folge einer falsch zitierten Aussage Christoph Blochers im Zusammenhang mit Holocaust-Geldern den Hut nehmen. Haldimann hatte den Bericht der SonntagsZeitung dennoch in der Öffentlichkeit verteidigt. Im nachhinhein aber stellte sich das Zitat als unrichtig heraus. Die Tamedia-Geschäftsleitung entzog ihm das Vertrauen.
Per sofort trat auch Andreas Z'Graggen im Februar 1992 als Chefredaktor des Wirtschaftsmagazins Bilanz zurück. Der Entscheid des heutigen Chefs der Berner Zeitung stand im Zusammenhang mit einem Artikel in der SonntagsZeitung, in dem ihm vorgeworfen wurde, ein Aktienpaket als Geschenk entgegen genommen zu haben. Eine Folge der Diskussionen um die Ausrichtung der Tamedia- Produkte war der Abgang von Esther Girsberger im September 1999. Ihre Demission erfolgte aber nicht per sofort. Die Chefredaktorin des Tages-Anzeigers hatte sich mit deutlichen Worten über einen Artikel im Magazin Facts aus demselben Verlag geäussert. Mit dem Artikel über Bundesrat Kaspar Villigers angeblichen Besuch bei einer Prostituierten habe Facts die ethischen Grundregeln des Journalismus verletzt, kritisierte Girsberger in einem Kommentar. Heute ist Girsberger bei der SonntagsZeitung und damit wieder im Hause Tamedia tätig.
Mit Meinungsverschiedenheiten begründete Ringier im April 2001 auch den sofortigen Abgang von Jean-Philippe Ceppi als Chefredaktor beim Westschweizer Sonntagsblatt dimanche.ch. Ceppi zeigte sich damals überrascht: Meinungsverschiedenheiten mit dem Verlag seien normal bei einem Projekt im Anfangsstadium. dimanche.ch war im November 1999 lanciert worden.