Sendebetrieb am Dienstagabend eingestellt

Radio 105 - Neben Roger Schawinski taucht nun Egon Blatter als möglicher Retter auf.

Am Dienstag um 16.30 Uhr wurde laut "Blick am Abend" On Air der Sendeschluss des Zürcher Jugendsenders Radio 105 verkündet. "Wir sind heute Morgen noch mit einer Ungewissheit über die Sendeplanung in den Tag gestartet. Nun haben wir die Nachricht, dass wir in den nächsten Minuten den Sendebetrieb einstellen müssen", sprach der Programmleiter und Moderator Jan Müller ins Mikrophon. Seither wird nur noch Musik in Endlosschlaufe gesendet, ohne Moderation. Es bleibt also ungewiss, wie die Zukunft des Senders aussieht. 

Schawinski interessiert sich für Marke, Konzession und Mitarbeiter
Einerseits will Roger Schawinski, Besitzer des Radios "für Erwachsene", dem Jugendsender Asyl gewähren. Radio 105 könnte also künftig aus dem Studio von Radio 1 senden, so das Angebot von Schawinski. Wie Schawinski am Montagabend mitteilte, hat er seinen Rettungsplan dem Bakom vorgelegt. Ziel des Radiopioniers ist es, die Marke 105, die Sendekonzession sowie einige der 22 Mitarbeiter zu übernehmen (persoenlich.com berichtete).

Egon Blatter will Marke nicht weiterführen
Schawinski hat inzwischen allerdings Konkurrenz bekommen: Auch Egon Blatter, Inhaber von DJ Radio, will laut 20min.ch bei Radio 105 einsteigen und einen Teil der Belegschaft übernehmen. Im Gegensatz zu Schawinski möchte er die Marke Radio 105 nicht weiterführen, da diese bereits einen enormen Schaden erlitten habe.

Laut "20 Minuten" will Blatter ein Budget von einer Million Franken pro Jahr einsetzen und ein junges Publikum ansprechen: Schweizer DJ’s sollen eine Plattform erhalten, zudem soll es Live-Übertragungen aus Clubs und von Veranstaltungen geben.

Blatter liess gar verlauten, dass er einen rechtlichen Anspruch auf den Sender habe: Denn als das Bakom die Konzession vor sechs Jahren verteilt habe, sei er gegen Radio 105 nur knapp unterlegen. Dabei wäre sein Businessplan viel solider gewesen, wird er zitiert.

Fans organisieren sich auf Facebook
Neben Schawinski und Blatter bieten auch die Fans Hand. Tausende 105-Hörer fordern über Facebook, dass der Sender weiterbesteht (vgl. Gruppe "STAHN UF FÜR 105"). Laut BaA freut sich Scaglione über diesen Support: "Das ist genau das, wofür es sich gelohnt hat, hart zu arbeiten. Gerade in diesen Stunden sehen wir, dass wir etwas Grossartiges auf die Beine gestellt und die Leute im Herzen getroffen haben. Nun kommt diese ganze Energie auf uns zurück. Unter diesem Licht sind auch die Facebook-Aktionen zu sehen. Wir haben da draussen viel mehr Leute erreicht und berührt als uns bisher bewusst war."

Er habe in den 17 Jahren Radio 105 schon viel erlebt, "aber das hier übertrifft alles, und zwar bei weitem! Wie auch immer es ausgehen mag: Für mich bedeutet dies, dass wir etwas richtig gemacht haben müssen und sich die tägliche Arbeit, der tägliche Kampf gelohnt hat".

Erst kürzlich neuen Sender Radio Blue Sky lanciert
Wie es weiter geht, weiss Scaglione laut BaA nicht: "Nun liegt der Entscheid wohl beim Konkursrichter." Dem Vernehmen nach wird das Konkursamt am Mittwoch über die Situation entscheiden. 

Zwar war die unsichere Lage von Radio 105 immer wieder ein Thema, doch noch im Dezember gab es keine Anzeichen für eine derart heikle Situation. Die Betreiberin von Radio 105, die Music First Network AG mit Giuseppe Scaglione und Daniel Hartmann, lancierte noch vor Weihnachten einen neuen Radiosender: Radio Blue Sky. (BaA/20min/eh/set)