Weil sie Bedauern über den Tod des höchsten schiitischen Geistlichen im Libanon, Scheich Mohammed Hussein Fadlallah, geäußert hat, muss die leitende Nahost-Redaktorin Octavia Nasr nach zwanzigjähriger Tätigkeit den amerikanischen TV-Nachrichtensender CNN verlassen. Die aus Beirut stammende 44-jährige Journalistin arbeitete seit 1990 für den Sender. Sie hatte laut "New York Times" auf Twitter Trauer über den Tod Fadlallahs ausgedrückt, den die USA 1995 auf eine Liste "internationaler Terroristen" gesetzt hatten.
Der im Irak geborene Fadlallah, der den Rang eines Großayatollah bekleidete, galt als einer der einflussreichsten schiitischen Geistlichen der Region. Die Schiiten sind im Libanon die zahlenmäßig größte Bevölkerungsgruppe. Ihre stärkste politische Kraft, die pro-iranische Hisbollah ("Partei Gottes"), ist in der Allparteienregierung von Ministerpräsident Saad Hariri vertreten. Zehntausende hatten Fadlallah am Dienstag in Beirut das letzte Geleit gegeben. Im Mai hatte die Doyenne des US-Pressekorps beim Weißen Haus, Helen Thomas, wegen ihrer Israel-Kritik zurücktreten müssen.