Das Fernsehen verändert sich gerade total. Zuschauer wandern ab zu Filmangeboten auf dem Internet. Doch die alten Sender verschlafen diesen Wandel vom herkömmlichen linearen Fernsehen zum jederzeit verfügbaren Angebot. Das sagt die ehemalige Schweizer Fernsehdirektorin Ingrid Deltenre, die heute Generaldirektorin die European Broadcasting Union (EBU) ist, in der "NZZ am Sonntag".
"Im Moment verläuft die Entwicklung noch langsam. Das lineare TV ist noch stark. Doch plötzlich wird es sehr schnell gehen." Auf diese Umwälzung seien die Sender schlecht vorbereitet, auch das Schweizer Fernsehen. Man kann sich zwar alle Inhalte noch bis zu einer Woche nach der Ausstrahlung online ansehen. Eigenproduktionen sind bis auf alle Ewigkeit abrufbar. "Doch das ist halbherzig", sagt Deltenre in der "NZZ am Sonntag". "Der lineare Kanal ist für SRF immer noch das Zentrum."
Man müsse radikal umdenken. Das heisst: "Die Online-Verbreitung müsste mindestens gedanklich Vorrang haben. Wie kann man die Technologie und die Daten besser nutzen, um das redaktionelle Angebot attraktiver zu machen?" Laut NZZ am Sonntag wandern die Jungen bereits stark auf andere Kanäle ab. In der Deutschschweiz ist der Fernsehkonsum vor dem Gerät bei den 15- bis 19-Jährigen innert drei Jahren von 92 auf 66 Minuten zurückgegangen.
Die Jungen schauen stattdessen Youtube-Filme oder beziehen Videos über Netflix, Swisscom TV oder Horizon von UPC Cablecom. 49 Prozent der 14- bis 29-Jährigen bedienen sich mehrmals wöchentlich bei einem solchen Dienst. (NZZaSo)
Bild: Keystone
Sender verschlafen den digitalen Wandel
Fernsehlandschaft Schweiz - Sagt die ehemalige SF-Chefin und heutige EBU-Generaldirektorin Ingrid Deltentre.