Immer mehr Informationen und Dienstleistungen sind nur noch über Internet erhältlich. Ältere Menschen werden damit zunehmend ausgegrenzt. Um die "digitale Kluft" zwischen den Generationen zu verkleinern, schlagen Fachleute niederschwellige Lösungen vor.
Rund 60 Prozent der über 65-Jährigen nutzen das Internet nicht und gelten damit als sogenannte "Offliner". Dies geht aus einer repräsentative Studie des Zentrums für Gerontologie an der Universität Zürich hervor, die im Auftrag von Pro Senectute Schweiz durchgeführt wurde. Zwischen den Generationen existiert demnach eine digitale Kluft.
Die Forscher fanden heraus, dass die Nutzung des Internets mit zunehmendem Alter abnimmt, wie Studienleiter Rudolf Schelling am Dienstag vor den Medien in Zürich ausführte. Während von den 65- bis 69-Jährigen immerhin 58 Prozent und von den 70- bis 74-Jährigen 50 Prozent im Web surfen, so "wagen" sich von den über 85-Jährigen gerade einmal 8 Prozent ins Internet.
Ob Seniorinnen und Senioren surfen, hängt laut Schelling stark vom sozialen Umfeld ab. Wer Freunde oder Kinder hat, die das Internet nutzen, ist dem Medium gegenüber meist positiver eingestellt und verwendet es auch selbst. Auch der Bildungsgrad und die soziale Schicht erleichtern den Zugang ins Internet.
Die meisten älteren Menschen (rund 88 Prozent) nutzen das Internet hauptsächlich, um E-Mails zu schreiben, wie Schelling erklärte. Zudem brauchten sie das Web beispielsweise, um Fahrpläne abzurufen oder Informationen zu spezifischen Sachthemen zu erhalten. Chatten, Online-Games oder das Downloaden von Musik sind dagegen weniger gefragt.
Schelling zufolge würden ältere Menschen das Internet stärker nutzen, wenn es altersgerechter wäre. Die meisten derjenigen, die nie online sind, halten nämlich das Web für zu kompliziert (71 Prozent).
Auch erachten viele von ihnen den Aufwand, den Umgang mit dem Netz zu erlernen, als zu gross (60 Prozent). Grosse Bedenken bestehen zudem in Bezug auf die Datensicherheit.
Um den "Offlinern" den Einstieg in die virtuelle Welt zu erleichtern, brauche es individuell angepasste Lösungen, heisst es in der Studie. Nur so könne ihnen der Ausschluss aus der Gesellschaft erspart werden. Die Autoren schlagen deshalb unter anderem vor, niederschwellige Schulung- und Unterstützungsangebote zu fördern.
"Die Nutzung des Internets ist noch keine existenzielle Frage", hielt Schelling fest. Allerdings werden Menschen ohne Anschluss bereits heute in verschiedenen Bereichen benachteiligt, zum Beispiel beim Bestellen von Tickets. Es sei deshalb unerlässlich, dass diese herkömmlichen Kanäle zu Informationen und Dienstleistungen weiterhin bestehen bleibe.
Für ihre repräsentative Untersuchung befragten die Autoren 1105 Personen ab 65 Jahren in der ganzen Schweiz. Die Daten wurden teils per Telefon, teils per Fragebogen erhoben.