Kurzweile und einige vertiefte Einblicke in das Wesen des Fifa-Präsidenten bot ein von "Die Zeit" veranstaltetes Podiumsgespräch am Montagabend im vollbesetzten Zürcher Kaufleuten.
Weil Sepp Blatter – laut Interviewer Giovanni di Lorenzo "der wichtigste Schweizer"– ohne Krawatte auf dem samtbezogenen Sessel Platz genommen hat, knöpft sich kurzentschlossen auch Di Lorenzo das einengende Stoffband vom Hals, sodass er – bezogen auf die Kleidung – auf der gleichen Augenhöhe sitzt, während er dem Fifa-Präsidenten die erste Frage stellt.
Mit wohlübergelegter Fragetaktik versucht "Zeit"-Chefredaktor Di Lorenzo Zugeständnisse zur Bestechlichkeit und zur WM-2022-Vergabe nach Katar aus dem Walliser herauszulocken. Und er testet Blatters Fähigkeiten zur Selbstkritik. Leider geht Di Lorenzos Strategie nur in begrenztem Masse auf. Am Ende des Gesprächs wird er denn auch sagen: "Sepp Blatter, Sie sind der härteste Knochen, der mir je in einem Interview untergekommen ist". Doch die teilweise etwas wirre Art, mit der sich Fifa-Präsident aus der Enge flüchtet, sorgt beim Publikum immer wieder für spontane Lacher – manchmal kombiniert mit amüsiertem Kopfschütteln. So etwa als Blatter über weiblichere Tenü-Vorschriften im Frauenfussball spricht oder sich in Sprachspielen versucht, indem er "Ruhm" als "Rum" (oder "Rum de Cohiba"?) oder "Karriere-Knick" als "Karriere-Kick" verstanden haben will.
Blatter, der seit 1998 als Fifa-Chef amtet, könnte dem Welt-Fussballverband noch länger erhalten bleiben. Ob er sich 2015 wiederum zur Wahl stellen werde, liess er am Montagabend offen. Zwar habe ihn Gott, mit dem er in enger Beziehung stehe, darauf hingewiesen, dass er diesen Job nicht ewig machen könne. Doch bevor Blatter sich für oder gegen eine weitere Kandidatur entscheidet, will er nächstes Jahr nochmals "dort oben" nachfragen. (eh)