Das Schweizer Fernsehen ist in die Kritik geraten, weil es in der Mörgele-Affäre Nationalrat Christoph Mörgeli vor dem Hintergrund des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald interviewte. Vor allem die Stiftung Gedenkstätte Buchenwald warf SF vor, gegen ein Drehverbot auf dem Gelände verstossen zu haben. Das ehemalige KZ habe "ganz offensichtlich im Sinne von Herrn Mörgeli für eine Innerschweizer parteipolitische Auseinandersetzung funktionalisiert" werden sollen.
SF-Chefredaktor Ueli Haldimann gesteht nun in seinem Blog ein, dass Fehler begangen wurden. Am Tag des Interviews hätten weder der SF-Korrespondent Thomas Vogel noch die in Zürich beteiligten Kollegen von "Tagesschau" und "10vor10" ein Problem darin gesehen, Mörgeli vor diesem Hintergrund des ehemaligen KZ auftreten zu lassen. "Inzwischen haben interne Gespräche stattgefunden, und auch die Kollegen, die in dieser Frage zunächst nicht die nötige Sensibilität hatten, sehen inzwischen, dass das falsch war", schreibt Haldimann.
Thomas Vogel sei sich nicht bewusst gewesen, dass es für den Dreh auf dem Parkplatz eine Genehmigung brauche. "Das Drehverbot verstand er als Drehverbot auf dem eigentlichen Gelände des ehemaligen KZ, was er respektierte". Die Stiftung hingegen macht geltend, das Drehverbot habe sich auch auf den Parkplatz bezogen, der ebenfalls zur Gedenkstätte gehöre. In einer Korrespondenz mit Ueli Haldimann hat der Präsident der Stiftung, Volkhard Knigge, seine Haltung erläutert.
Stacheldrahtzaun, Lagertor und Krematorium seien "eindeutige visuelle Zeichen", die das Interview "semantisch aufladen". Er könne "zu keiner anderen Deutung" kommen: Das ehemalige KZ Buchenwald sei "bewusst zum 'visuellen Argument einer politischer Auseinandersetzung gemacht worden." "Diese Einwände und Bedenken müssen wir ernst nehmen", meint Haldimann in seinem Blog. Er hat deshalb die beiden Beiträge im Archiv sperren und aus dem Internet entfernen lassen.
Zudem hat der SF-Chefredaktor gegenüber der Stiftung festgehalten, dass es dem Korrespondenten und dem Schweizer Fernsehen fern lag, die Würde des Ortes oder die Würde der Opfer des Nationalsozialismus in Frage zu stellen. "Falls das der Fall sein sollte, bitten wir dafür um Entschuldigung."

