Mehr als zweieinhalb Stunden spult das ZDF sein Aushängeschild "Wetten, dass..?" wie üblich ab. Dann der Coup: Markus Lanz verkündet am Samstagabend zum Ende der Sendung - noch drei Ausgaben, dann ist Schluss.
Den Knaller hatte sich Markus Lanz bis zum Schluss aufgehoben: Um 22.55 Uhr verkündete der 45-jährige ZDF-Moderator das Ende des Showklassikers "Wetten, dass..?". "Das war 'Wetten, dass..?' aus Offenburg", sagte er, während der Abschiedsapplaus noch dröhnte.
"Wir gehen jetzt in die Sommerpause und sehen uns am 4. Oktober wieder mit den letzten drei Ausgaben von 'Wetten, dass..?'". Kurze, knappe Worte für einen langen Abschied (siehe Video).
"Der Rückgang der Zuschauerzahlen zeigt, dass sich die Sehgewohnheiten verändert haben und das Format an Anziehungskraft verloren hat", begründete Programmdirektor Norbert Himmler den Schritt seines Senders in einer Mitteilung, die exakt zum Ende der Übertragung veröffentlicht wurde.
"Es ist uns nicht leicht gefallen, einen Klassiker wie 'Wetten, dass..?' vom Schirm zu nehmen. Der Aufwand einer so grossen Show steht aber nicht mehr im Verhältnis zur Zuschauer-Resonanz."
Rechte behalten
Himmler betonte, man habe "gemeinsam entschieden, dass wir noch die drei geplanten Ausgaben in 2014 machen. In den letzten Jahren hat sich im Showbereich sehr viel verändert. Das trifft alle Sender und Unterhaltungsprogramme, besonders hart aber 'Wetten, dass..?' als traditionsreichste Show in Deutschland."
Ein Türchen liess der Unterhaltungschef jedoch noch offen: Die Rechte an der Marke will der Sender behalten und gegebenenfalls auch wieder aktivieren. "Das Konzept, das Frank Elstner Anfang der 1980er-Jahre für das ZDF erfunden hat, bleibt einzigartig", so Himmler weiter.
"Deshalb schliesse ich nicht aus, dass es irgendwann noch einmal auflebt. Wir suchen aber weder einen neuen Moderator, noch planen wir eine Fortsetzung in absehbarer Zukunft. Die Hauptredaktion Show arbeitet jetzt an neuen Ideen für den Samstagabend."
Der Klassiker, den Elstner 1981 an den Start brachte und von Strahlemann Thomas Gottschalk weitergeführt wurde, hatte mit der Übernahme von Lanz 2012 deutlich an Kraft verloren. Der Südtiroler hatte es schwer, sich in der Öffentlichkeit zu behaupten.
Historisches Tief
Sein Moderationsstil geriet immer wieder in die Kritik, auch der in seiner Talkshow, die er drei Mal wöchentlich im ZDF präsentiert. Die 'Wetten, dass..?'-Quoten waren zuletzt kräftig gesunken, mit 5,85 Millionen Zuschauern erreichte die Februar-Ausgabe ein historisches Tief.
Im Februar noch hatte Unterhaltungschef Oliver Fuchs optimistisch in die Zukunft geblickt und ein Winter-'Wetten, dass..?' ins Auge gefasst. Intendant Thomas Bellut indes trat vor einigen Tagen deutlich auf die Bremse, als er dem "Handelsblatt" sagte: "In diesem Jahr werden wir sehen, wie stark die Marke noch ist." Endgültig Schluss ist am 13. Dezember mit der letzten Ausgabe aus Nürnberg.
Die Moderatoren reagieren auf das Ende
Moderator Thomas Gottschalk hat überrascht auf die Nachricht vom Ende der Unterhaltungsshow "Wetten, dass..?" reagiert. "Dann hätte ich das Ding auch gleich selbst an die Wand fahren können", sagte der Entertainer am Samstagabend in einem Telefongespräch mit "Spiegel Online". Gottschalk habe durch den Anruf von der Einstellung der Show erfahren. Weiter wollte er sich nach Angaben des Nachrichtenportals nicht dazu äussern. Gottschalk moderierte zwischen 1987 und 2011 insgesamt 151 Ausgaben.
Show-Schöpfer Frank Elstner reagierte über den Kurznachrichtendienst Twitter auf das Ende von "Wetten, dass..?": "Das geht an die Nieren. Alles andere wäre gelogen!", war auf seinem Account zu lesen. "Dem Nachwuchs gehört die Zukunft im Netz! Ich bin dabei. Freue mich!", schrieb Elstner weiter.
Der aktuelle Moderator Markus Lanz bedauerte, dass "Wetten, dass..?" mit der Entwicklung der TV-Landschaft nicht mehr habe Schritt halten könnten. Die Show sei etwas, "was das deutsche Fernsehen eigentlich dringend braucht".
"Aber offenbar passt es im Moment wahrscheinlich nicht mehr so richtig in die Zeit. Die Zeit ist doch ein bisschen kalt geworden, vielleicht kann man's so sagen", teilte der Moderator der vom ZDF beauftragten Agentur all4radio mit. Lanz bezeichnete die Show als "feine Familienunterhaltung" ohne "Zynismus" und "Sarkasmus".
Das waren die verrücktesten Wetten
Weit über 1000 Mal wurde gewettet in den bislang 212 Ausgaben von "Wetten, dass..?". Darunter sind spektakuläre Kunststücke und äusserst lustige Nummern, aber auch einige dubiose Fälle. Mindestens eine echte Schummelei wurde entlarvt.
- Schulterzucken: In der "Wetten, dass..?"-Sendung am 30. April 2011 wurden die Lehrerin Julia Thiele und ihr Freund Malte Poppinga Wettkönige. Thiele konnte allein am Schulterzucken ihres Freundes Musiktitel erkennen. Ob dabei alles mit rechten Dingen zuging? Wenigstens einmal raunte er seiner Freundin einen Songtitel ("Pretty Woman") deutlich hörbar zu.
- Fussgeruch: Auch davor standen Wettkandidaten immer wieder unter Schummel-Verdacht. Im Oktober 2009 erkannte der 47-jährige Thomas Schuster 23 Frauen mit verbundenen Augen an ihrem Fussgeruch. Der "Stiefel-Schnüffler" weigerte sich aber, sein Können noch einmal in einer ZDF-Show zu beweisen.
- Buntstifte: Nur dieser Betrug wurde bisher entlarvt: 1988 schlich sich "Titanic"-Redakteur Bernd Fritz in die Sendung ein und behauptete, die Farbe von Buntstiften am Geschmack zu erkennen. In Wirklichkeit linste er unter seiner Augenbinde hindurch.
- Kuhschmatzen: Achim Jehler konnte am 8. Dezember 2007 seine Kühe beim Apfelfressen am Schmatzgeräusch erkennen.
- Hundespielzeug: Der Border-Collie "Rico" verblüffte am 23. Januar 1999 die Zuschauer, weil er 77 Spielzeuge am Namen unterscheiden konnte. Auf Befehl von Frauchen Susanne Baus brachte er den benannten Gegenstand.
- Pyramidenfahren: Die Motorrad-Sportgruppe der Berliner Polizei bildete mit 84 Polizisten auf neun Motorrädern eine Pyramide und fuhr so 100 Meter weit. Am 29. Oktober 1994 stellte sie damit einen Weltrekord auf.
- Papierboot: Andrea Schager, Andreas Reiser und Monika Schrak falteten am 15. September 1990 in vier Minuten ein Papierboot und paddelten damit in einem Schwimmbecken 50 Meter weit.
- Reifenwechsel: Am 21. Februar 1987 gelang es einem Kandidaten, während der Fahrt einen Autoreifen zu wechseln. (sda)
Bild: Screenshot ZDF