Siemens und Nokia legen Ausrüstergeschäft zusammen

Milliardendeal - 9000 Stellen auf der Kippe -- auch Schweiz betroffen.

Der deutsche Technologiekonzern Siemens und die finnische Nokia legen ihr Geschäft mit Telefonnetzen zusammen. Sie dringen damit in die erste Liga der Netzriesen vor. Die Fusion könnte aber bis zu 9000 Stellen kosten. An dem entstehenden Gemeinschaftsunternehmen "Nokia Siemens Networks" sind beide Unternehmen jeweils zur Hälfte beteiligt. Die Führung hat jedoch Nokia.

"Hier entsteht ein neuer Titan in der Telekommunikationsindustrie mit europäischem Hintergrund", sagte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld am Montag in Frankfurt. Das Zusammengehen sei "die beste denkbare Lösung gewesen", um auf die wachsende Konkurrenz sowie das Zusammenwachsen von Mobilfunk und Festnetz mit Informations- und Unterhaltungsangeboten zu reagieren.

Von den 60'000 Arbeitsplätzen der beiden Sparten sollen in den kommenden Jahren 6000 bis 9000 wegfallen. Es müsse sich aber nicht zwangsläufig um Stellenstreichungen handeln, auch Verlagerungen seien denkbar. Rund 40'000 Mitarbeiter bringen die Münchener in das Unternehmen ein. Bei Siemens Schweiz sind gut 400 Beschäftigte betroffen. Die Auswirkungen stehen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest, wie ein Sprecher von Siemens Schweiz der Nachrichtenagentur SDA sagte.

Der Verband Angestellte Schweiz befürchtet, dass auch hierzulande Arbeitsplätze verloren gehen. Er will sich dafür einsetzen, dass ein allfälliger Abbau sozialverträglich erfolgt. Zusammen setzten Siemens und Nokia mit drahtgebundenen und Mobilfunknetzen im vergangenen Jahr 15,8 Mrd. Euro um. Die Transaktion befördert die beiden Konzerne in eine Liga mit dem Branchenführer Cisco Systems und dem erst vor kurzem entstandenen Netzwerkriesen Alcatel-Lucent sowie Ericsson.

Bei Mobilfunknetzen wäre Nokia Siemens nach eigenen Angaben künftig Nummer drei, im Festnetz die Nummer zwei weltweit. Mit der endgültigen Zerschlagung der ertragsschwache Telekommunikationssparte kappt Siemens seine Wurzeln: Gründer Werner von Siemens begann Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Entwicklung und Vermarktung von Telegrafen und Telegrafennetzen.

Nokia gibt den Ton an

Nokia dominiert das Gemeinschaftsunternehmen: Nokia Siemens Networks soll seinen Hauptsitz in Helsinki haben, der Chef kommt ebenfalls von Nokia. Juristischer Sitz würden die Niederlande. Nur Finanzchef Peter Schönhofer kommt von Siemens Österreich. Bis 2010 erhoffen sich beide Unternehmen schrittweise Einsparungen von 1,5 Mrd. Euro. Der Konzernumbau koste allerdings ebenfalls 1,5 Mrd. Euro, sagte der Chef der neuen Firma, der Anglo-Australier Simon Beresford-Wylie, der das Geschäft mit Mobilfunknetzen bei Nokia leitet.