Herr Romano, Sie haben SuperSolo bereits nach einem Jahr wieder vom Markt genommen. Sind Singles zu stark mit der Partnersuche beschäftigt, als dass sie auch noch Abhandlungen über ihr Alleinsein lesen wollen?
Nein, im Gegenteil. Unsere Leserinnen und Leser mochten SuperSolo. Wir erhalten heute noch eine Vielzahl von enttäuschten Lesern, die fragen: "Wann kommt die nächste Ausgabe von SuperSolo?" Vor allem bei Frauen kam das Magazin sehr gut an. Denn die meisten Singles sind unzufrieden mit den Angeboten im Internet, es besteht nach wie vor ein echtes Bedürfnis nach Seelennahrung. Zumal im Zeitschriftenmarkt kein anderer Titel diese Sparte abdeckt.
Woran scheiterte dann das Heft?
An den fehlenden Anzeigen. Wir haben nicht genug Schnauf, um mehrere Jahre ohne nennenswerte Einkünfte aus dem Inseratemarkt auszukommen. Dazu gestaltete sich das Wachstum der Leserschaft viel zu langsam. Eine Finanzierung des Titels allein über die Abonnements war ausgeschlossen.
Weshalb konnten Sie die Werbekunden von Ihrem Titel nicht überzeugen?
Unser Problem war: Die Zielgruppe Singles lässt sich mit Zahlen und Fakten kaum fassen. Es war deshalb sehr schwierig, den Mediaagenturen zu erklären, welche Bedürfnisse die Gruppe der Singles hat. Das meiste spielt sich im Emotionalen ab, und dies lässt sich nicht gut fassen.
Weshalb haben Sie die Skepsis der Werbekunden nicht schon vor der Lancierung bemerkt?
Am Anfang waren die meisten begeistert von unserem Konzept. Als es dann aber darum ging, Anzeigen zu schalten, schwand plötzlich die Euphorie.
Weshalb ist -- aus Ihrer Sicht -- der Single-Markt für die Werbeauftraggeber kein Thema?
Detailhändler wie die Migros oder Coop haben den Single-Markt längst entdeckt und überhäufen diesen mit Produkten. Offenbar ist der Single aber in der Werbelandschaft noch nicht präsent. Ähnlich war es doch auch bei den Homosexuellen: Jahrzehntelang hat man diese Gruppe an den Rand gedrängt. Plötzlich erkannte man dann deren Wert für die Gesellschaft und vor allem -- wie viel Geld sich mit der Kommerzialisierung des Homosexuellen machen lässt. Wahrscheinlich kamen wir einfach zu früh.
Machen Sie es sich damit nicht ein wenig zu einfach?
Auf keinen Fall. Der Markt ist gross und er wird laufend grösser. Es gibt gegenwärtig 1.2 Million Singles in der Schweiz -- kein einziger Printtitel gibt dieser Zielgruppe eine Stimme und berät sie. Unser Problem war, dass wir nicht über die Ressourcen verfügten, lange genug durchzuhalten.
Gab es auch Probleme bei der Distribution?
Die Verteilung von SuperSolo lief hervorragend. Alle 30'000 Exemplare der Auflage waren jeweils innert weniger Tage weg, kaum ein Heft blieb liegen. Diese Erfahrung machten wir sowohl im Einzelverkauf an Kiosken, aber auch in den Bars, Coiffeursalons und Fitnesscenter etc., wo das Heft auflag.
Was würden Sie heute anders machen?
Wir hätten uns wohl ein Jahr mehr Zeit nehmen sollen. Vielleicht liessen wir uns vom Hype um die Singles blenden, der vergangenes Jahr herrschte und sich in einer Vielzahl von Beiträgen in den Medien ausdrückte. Eine Lancierung eines neuen Titels hat viel mit Beziehungsstrukturen zu tun. Wir hätten vor dem Start von SuperSolo wohl besser noch länger die Werbetrommel gerührt. Inhaltlich würde ich das Heft heute ein wenig spassiger positionieren.
Wie stark hat die verunglückte Lancierung von SuperSolo den zweiten Titel Ihres Verlags, Massiv, belastet?
In beträchtlichem Masse. Es war nicht einfach für uns.
Man hört in der Branche, dass sie einen Partner fürs Massiv suchen und derzeit Gespräche mit dem Jean-Frey-Verlag geführt werden...
Fakt ist: Wir sind ein kleiner Verlag. Die derzeit herrschende Situation im Zeitschriftenmarkt zwingt uns aber dazu, ein Massenpublikum zu erreichen. Denn für ein Nischenprodukt ohne grosse Auflage ist es ein äusserst schwieriges Unterfangen, Werbekunden zu finden. Der Markt im Bereich Lifestyle-Magazine hat sich verändert. Das Interesse des Lesers fehlt nicht, jedoch ist seine Zahlungsbereitschaft gesunken. Der Leser von heute erwartet hohe Qualität, ohne dass er dafür bezahlen muss. Grosse Medienunternehmen können diesen Markt befriedigen. Wir Kleinverlage strampeln uns durch diese harte Welt, stets auf der Suche nach Partnern, die uns die finanziellen und personellen Ressourcen bieten können.
Wo steht Massiv heute?
Wir haben ein reifes Magazin, das durch die Zusammenarbeit mit dem Gottlieb-Duttweiler-Institut noch stärker geworden ist. Massiv erhält im In- und Ausland viel Lob und Anerkennung. Diese haben wir uns über Jahre hinweg hart erarbeitet. Wir sind wohl ein eigenwilliges Heft, besitzen aber eine treue Stammleserschaft.