Derzeit berät der Presserat hinter verschlossenen Türen über Beschwerden. Dies könnte sich jedoch schon bald ändern: Wie aus einem Interview der "NZZ" mit dem neuen Presseratspräsidenten Dominique von Burg hervorgeht, hat das medienethische Gremium über die Frage öffentlicher Sitzungen diskutiert. Von Burg hält Öffentlichkeit grundsätzlich für wünschenswert. "Allerdings könnte dadurch die Diskussionsweise beeinflusst werden."
Der Genfer schlägt vor, in einem ersten Schritt junge Journalisten einzuladen, an den Debatten des Presserats teilzunehmen. Aufgrund entsprechender Erfahrungen könne man dann die Frage einer grösseren Öffentlichkeit wieder aufgreifen. Von Burg möchte zudem die Öffentlichkeitsarbeit des Presserats verbessern. So könnten künftig auch die Stellungnahmen journalistisch aufbereitet werden.
Der 62-Jährige sieht die Hauptleistung des Presserats in erster Linie als Reflexionsorgan -- und nicht in einer Rolle als Richter: "Mediale Selbstkontrolle ist eine zentrale Aufgabe des Presserats. Aber er muss darüber hinaus zur Weiterentwicklung der medienethischen Reflexion beitragen -- unter den Medienschaffenden wie auch der Öffentlichkeit." Um als Richter eine Wirkung zu haben, müsste der Presserat Sanktionen aussprechen, so von Burg -- dies aber sei nicht seine Aufgabe.