Skandal zieht immer weitere Kreise

News Corp - 9/11-Opfer-Familien abgehört.

Der News Corporation-COO Chase Carey hat neue Abhörgerüchte rund um die Familien der Opfer von 9/11 heftig dementiert, nachdem bekannt geworden war, dass die amerikanische Justiz weitere Ermittlungen gegen das skandalgeschüttelte Medienunternehmen aufgenommen hat. Es gibt nichts, das den Vorwurf rechtfertigt, dass Mitarbeiter von News Corp auch die Telefone von Angehörigen der Opfer von 9/11 angezapft hätten, so Carey bei der von Goldman Sachs veranstalteten Konferenz "Communicopia", bei der er zu den laufenden Themen Rede und Antwort stand.

Damit kommt das Unternehmen des Medientycoons Rupert Murdoch weiterhin nicht aus den Schlagzeilen: In den USA wird wegen Kartellbildung ebenso ermittelt, wie wegen der Frage, ob News Corp die britische Polizei um Informationen erpresst hat. Dies verstösst gegen den "Foreign Corrupt Practices Act" und stellt zusammen mit der für die US-amerikanische Wahrnehmung besonders schwerwiegenden 9/11-Vorwürfen die dritte Ermittlungslinie des Department of Justice dar. Allerdings wird erwartet, dass der Erpressungsfall juristisch eher durchfechtbar ist, als die 9/11- Vorwürfe. Auf jeden Fall wackelt nun endgültig der Stuhl von News Corp-Gründer Rupert Murdoch.

"Ich denke, er muss gehen", sage der Milliardär Ted Turner bei einem Interview mit Bloomberg TV. "Er hat so etwas noch nicht erlebt. Das ist wirklich ernst. Er ist der Aufsichtsratsvorsitzende. Er ist verantwortlich. Als ich Aufsichtsratsvorsitzender war habe ich auch Verantwortung übernommen und nicht gesagt 'Ich hatte keine Ahnung'." Turner ist überzeugt, dass Murdoch von all den Vorgängen in seiner Firma unterrichtet gewesen ist.

News Corp-Konkurrent Bloomberg hatte die Vorwürfe wegen Erpressung öffentlich gemacht und sich dabei auf einen Brief des Department of Justice an das Medienunternehmen berufen, der über die aufgenommenen Ermittlungen informierte. Die Aktie von News Corp fiel nach Bekanntwerden des Briefes um 1,7 Prozent. Seit 4. Juli macht das einen für einen Skandal dieser Größenordnung moderaten Verlust von 6,9 Prozent. (pte)