So berichten die Medien über den Espace-Kauf

Tamedia - Sorgen, Skepsis und Zuversicht.

Die Mehrheit der Deutschschweizer Presse beurteilt die Übernahme der Espace Media Groupe durch die Tamedia als ökonomisch sinnvollen, aber folgeschweren Schritt. Sorgen bereitet insbesondere die Zukunft der Berner Traditionszeitung "Der Bund".

Der jüngste Expansionsschritt habe eine andere Dimension als frühere Übernahmen von Regionalzeitungen, schreibt die "Neue Zürcher Zeitung" am Freitag. "Die Führung der Tamedia hat in der Konsolidierung der Medienmärkte wahrscheinlich nicht nur eine neue Runde eingeläutet, sondern die Entwicklung auch auf eine höhere Ebene gehoben."

Tamedia werde nach der Fusion zu einem "nationalen Schwergewicht", urteilt das Tamedia-Flagschiff "Tages-Anzeiger". Entsprechend hoch sei die Verantwortung. Der Skepsis gegenüber grossen Medienunternehmen könne nur mit hoher journalistischer Qualität begegnet werden.

'Historischer Einschnitt'

Die "Neue Luzerner Zeitung" spricht von einem "historischen Einschnitt". Die bezahlte Presse werde kaum um weitere "Rationalisierungsschübe" herumkommen. "Nun ist das Filetstück Bern an der Reihe. Und schon bald dürfte das Basler Filet ins Visier geraten."

Kritik wird an der Rolle des Espace-Verlegers Charles von Graffenried laut. Dieser "möchte den Anschein erwecken, es handle sich hier um eine Art Fusion und Kooperation zweier Partner auf Augenhöhe", schreibt die "Basler Zeitung". Dabei spiele sich eine "simple Übernahme ab".

Weniger skeptisch beurteilt die "Südostschweiz" den Deal. Die journalistische Meinungsvielfalt sei heute in der Schweiz grösser denn je. Zwar dürfte sich der Druck auf kleinere Unternehmen verstärken, angesichts der Grösse der neuen Medienkonzerne komme man jedoch eine Segmentierung und Regionalisierung gar nicht herum.

Sorge um den Berner Bund

Mehrere Kommentatoren sorgen sich um die Zukunft des Berner Traditionsblatts "Der Bund". Die Frage, was die "Megafusion" für das "Espace-Sorgenkind" bedeute, sei "zentral und beispielhaft", schreibt die "Aargauer Zeitung".

Dass die Tamedia-Verantwortlichen dem "Berner Modell" noch lange die Treue halten, sei eher unwahrscheinlich, urteilt das "St. Galler Tagblatt". Der "Bund" verfügt über eine eigenständige Redaktion, teilt sich aber mit der "Berner Zeitung" den Verlag und den Anzeigenteil.

Beim "Bund" selbst gibt man sich zuversichtlich. Die neuen Verleger hätten sich öffentlich zu der Zeitung bekannt, solange sie als traditionsreiche politische Stimme in der Bundesstadt gehört werde und schwarze Zahlen schreibe. "Wenn sich die Verleger ernsthaft für den 'Bund' engagieren, soll es an uns nicht liegen", bekräftigt Chefredaktor Artur K. Vogel.

Lokale Eigenständigkeit

Bei den Zeitungen, die ihren überregionalen Teil von der "Berner Zeitung" beziehen, ist man überzeugt, dass die lokale Eigenständigkeit gewahrt werden kann. Die Verantwortlichen der Berner Oberland Medien AG (BOM) versichern in einem Editorial, dass die Regionalteile und Titelseiten des "Thuner Tagblatts" und des "Berner Oberländers" wie bisher in Thun und Interlaken produziert werden. Ähnlich äussern sich die "Freiburger Nachrichten".