Der vierte Schweizer Tatort «Risiken mit Nebenwirkungen» wurde am Sonntagabend ausgestrahlt. Der Film erreicht laut SRF einen Marktanteil von 28 Prozent. «Wir können nicht ganz zufrieden sein, da unser Anspruch für den Zürcher Tatort 30 Prozent Marktanteil ist», sagt Baptiste Planche, Leiter Fiktion bei SRF, auf Anfrage von persoenlich.com. Man wolle sich von den Tatorten aus Deutschland und Österreich (2021 durchschnittlich 25 Prozent Marktanteil) noch deutlicher abheben.
Insgesamt hätten am Sonntagabend in der Schweiz auch vor und nach dem Tatort ausserordentlich wenig Leute Fernsehen geschaut, was das tiefe Rating laut SRF erklärt. In Deutschland hingegen seien die Zahlen für «Risiken mit Nebenwirkungen» mit 25,8 Prozent Marktanteil sowie 7,3 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern erfreulich.
Das schreiben die Medien in der Schweiz und in Deutschland über diesen Tatort:
St. Galler Tagblatt
Das Urteil vom Tagblatt ist niederschmetternd: «Wann lernt das SRF endlich, was ein guter Krimi ist?» Die Figuren würden so oft das Genre wechseln, dass eine glaubwürdige Charakterzeichnung kaum möglich sei. Diese Widersprüche würden in heilloser Verwirrung enden. Die deutschen Drehbuchschreiberinnen Stefanie Veith und Nina Vukovic hätten ein Drehbuch geschrieben wie ein Lochsieb, heisst es weiter. «Als habe man sich erst in der Mitte des Drehbuchs auf den Täter geeinigt, fällt Handlungsstrang um Handlungsstrang durch die Maschen, ohne weiter verfolgt zu werden.»
Blick
Kritik hagelt es auch vom Blick. Vieles wirke überzeichnet und konstruiert. Der vierte Tatort gehe «nur als bittere Pille runter». Die im «Tatort» dargestellten Prozesse und Abläufe der pharmazeutischen Forschung, Medikamentenzulassung und der Markteinführung in der Schweiz würden nicht der Realität entsprechen, zitiert der Blick Samuel Lanz, Mitglied der Geschäftsleitung von Interpharma, dem Interessenverband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz.
NZZ
«Dieser ‹Tatort› ist ein Placebo, ein Scheinkrimi», schreibt die NZZ. Christine Repond inszeniere nach Rezept, frei von Risiko. Die Schauspieler würden an Dialogen scheitern, die in unfreiwillige Komik kippen.
Blue News
Ganz anders fällt die Rezension von Blue News aus. Der vierte Tatort gebe sich zwar «teils arg klischiert». Dennoch lohne es sich, ihn nachzuschauen, falls man ihn verpasst habe, lautet das Urteil, denn: Er sei handwerklich solide. «Kein Mega-Hit, aber auch kein Abtörner. Habe ich doch beim ‹Tatort› gucken schon ein paarmal verzweifelt weitergezappt – diesmal nicht», schreibt die Autorin.
Spiegel
Wenig Lob erntet der neue «Tatort» auch vom deutschen Spiegel. Lediglich zwei von zehn Punkten bekommt er in der Rezension. «Schlechtfühl-‹Tatort› für schlichte Gemüter», lautet das Urteil. Im Vergleich zu den ersten «Tatorten» aus Zürich sei die vierte Ausgabe enttäuschend. Es gebe keinen Clou und keine überraschenden Twists oder moralischen Ambivalenzen.
Zeit
«Dass die Performance schlimmer hätte ausfallen können, passt zum Gesamteindruck dieses Zürcher ‹Tatorts›», schreibt die Zeit. «Überraschende Handlungsumschwünge sind effektvoll; noch attraktiver wären sie, wenn sie nicht nur für den Moment, sondern auch darüber hinaus plausibel wirkten», heisst es unter anderem. (mj)