Herr Mager, im Interview mit "persoenlich.com" sagte Roger Schawinski unlängst, das halbe Team von Radio 24 hätte sich bei ihm beworben. Wie nehmen Sie die Aussagen Ihres früheren Chefs auf?
Ich ärgere mich nicht. Was Schawinski gesagt hat, ist höchstens unnötig. Aber so tritt er nunmal in der Öffentlichkeit auf.
Schawinski nannte Radio 24 einen "Dudelfunk"-Sender. Das wird Sie doch nicht kalt gelassen haben...
Naja, Schawinski schiesst ja nicht nur gegen Radio 24, sondern gegen die bestehenden Privatradios im Allgemeinen. Das darf er, denn er ist von einer andern Idee überzeugt. Ich möchte hier aber klipp und klar festhalten: Radio 24 ist schweizweit mit Abstand das erfolgreichste Privatradio mit rund 270'000 Hörerinnen und Hörern täglich. Was glauben Sie, weshalb das so ist? Wir zwingen die Menschen ja nicht, uns zu hören. Insbesondere im Konzessionsgebiet Zürich hat das Publikum ja eine reiche Auswahl an Alternativen. So schlecht kann unser "Dudelfunk" also nicht sein. Ich bin stolz auf mein Team, es liefert jeden Tag ein gutes Programm für Zürich.
Schawinski hat von Ihrem Sender vier Mitarbeiter abgeworben, bereits in den Monaten zuvor verliessen diverse Moderatoren Radio 24 in Richtung Schweizer Radio DRS. Weshalb gelingt es Ihnen nicht, Ihre Kollegen beim Sender zu halten?
Radio DRS hat im ersten Halbjahr durch seinen Ausbau in der Tat viele Mitarbeiter rekrutiert -- und dabei natürlich noch so gerne auf "24er" zurückgegriffen. Und so verlief es auch bei Radio 1. Im Zuge der vielen Abgänge hat damit sozusagen ein "Braindrain" stattgefunden. Und innerhalb eines solchen Prozesses entsteht immer auch Unruhe. Die Belastung für die Mitarbeiter steigt massiv, nicht zuletzt auch durch die zeitweise Unterbesetzung. Erschwerend hinzu kam obendrein, dass der neue Moderationsleiter Andreas Meier unmittelbar nach Stellenantritt krankheitshalber drei Monate ausfiel. Was bei uns jetzt stattfindet, ist ein Generationenwechsel. Einen solchen gab es letztmals in den Jahren 1999/2000. Damals verzeichnete der Sender innerhalb von 12 Monaten über ein Dutzend Wechsel.
Zurück in die Gegenwart: Können Sie finanziell nicht mit Schawinskis Angeboten mithalten?
Das ist schon auch ein Faktor -- obwohl Radio 24 innerhalb der Privatradiobranche gute Löhne zahlt. Mitarbeiter, die zu Radio 1 wechseln, haben mir bestätigt, dass sie künftig mehr verdienen werden. Hinzu kommt, dass ein neues Projekt immer spannend ist, insbesondere für Mitarbeiter, die schon mehrere Jahre die selbe Stelle besetzen.
Wie wollen Sie die personelle Lücke füllen?
Der Generationenwechsel kommt gut bei Radio 24. Mit den Moderatoren Michi Caplazi und Elena Bernasconi haben wir bereits zwei bekannte und etablierte Privatradio-Stimmen mit langjähriger Erfahrung an Bord geholt. Und wir sind mit weiteren sehr spannenden Leuten in Verhandlung. Da werden wir in der nächsten Zeit noch die eine oder andere Überraschung präsentieren.
Rechnen Sie damit, dass Radio 24 viele Hörer an Radio 1 verliert?
Zuerst einmal muss Radio 1 eine Konzession erhalten. Und dann kommt es noch darauf an, welche. Wie sich der Wettbewerb derzeit gestaltet, mit mehreren neuen Bewerbern, gehe ich ohnehin davon aus, dass es gegen eine Konzessionserteilung, egal für welchen der neuen Mitbewerber, Einsprachen und Rekurse geben wird. Das heisst, dass Radio 1 vorderhand auf der bestehenden Konzession von Radio Tropic senden müsste -- mit dem entsprechend kleinen Verbreitungsgebiet.
Was erwarten Sie von Schawinskis Sender?
Inhaltlich freue ich mich auf einen weiteren Mitbewerber. Radio 1 wird sein Publikum haben. Wie gross dieses allerdings sein wird, muss sich erst weisen. Bevor ich den Sender nicht gehört habe, kann ich keine Aussagen zu Radio 1 machen. Das wäre nicht seriös.
Trotzdem die Frage: Inwiefern werden Sie Ihr Programm anpassen?
Radio 24 muss sein Programm laufend verbessern -- und das unabhängig von Radio 1. Wir haben in den letzten beiden Jahren unseren Info-News- und Service-Anteil erhöht. Auch in Zukunft wollen wir die Qualität des Senders weiter steigern. Für das neue Jahr sind bereits diverse Neuerungen geplant, mit denen wir unser Publikum überraschen werden!
(Interview: David Vonplon)