So transparent sind die Veranstalter

Journalisten-Events - Wer den Journalistenkongress 2026 in Zürich finanziert, legt der Veranstalter nur teilweise offen. Wie transparent sind andere Journalismus-Anlässe bei ihren Sponsoren? persoenlich.com hat beim Journalismustag, beim Reporter:innen-Forum und beim True Story Festival nachgefragt.

von Christian Beck

Am 16. und 17. Oktober findet im The Circle am Flughafen Zürich der Journalistenkongress 2026 statt. Veranstalter ist der im Juni gegründete Verein für unabhängigen Journalismus (UJ), die Teilnahme ist kostenlos. Im Interview mit persoenlich.com sagte Vereinspräsident Ronnie Grob, der Verein finanziere seine Arbeit «über Mitgliederbeiträge, Partner und Spenden». Und er fragte zurück: «Müsste man sich als Journalist nicht freuen, gefördert zu werden und ein Forum zu erhalten?» Ein persoenlich.com-Leser wollte daraufhin in der Kommentarspalte wissen, ob diese Freude «nicht wenigstens minimal davon» abhänge, «von wem man gefördert wird».

Auf erneute Anfrage bestätigt Grob, dass der Kongress von der Libertatem Stiftung mit Sitz in Liechtenstein unterstützt wird. Gegenüber der WOZ hatte er die Stiftung im August als Hauptgeldgeberin des Vereins bezeichnet. Man habe «lediglich einen Förderantrag gestellt», sagte Grob dem österreichischen Standard. Einfluss auf das Programm oder die Einladungen habe die Stiftung nicht.

Die Libertatem Stiftung wurde 2019 in Liechtenstein gegründet. Laut Handelsregister bezweckt sie unter anderem die Förderung der Meinungsfreiheit, des kritischen Journalismus und der persönlichen Freiheitsrechte sowie die Stärkung des Individuums. Ähnlich formuliert ist der Zweck in den Statuten des UJ. Gegründet wurde die Stiftung laut Recherchen von Profil vom 2020 verstorbenen deutschen Unternehmer Horst Täubl. Sie ist in Österreich am Onlineportal Exxpress sowie am Onlinemagazin Libratus beteiligt und vergibt einen eigenen Medienpreis. Den Journalistenkongress hat sie in den vergangenen Jahren in Vorarlberg selbst veranstaltet. Nach Angaben gegenüber Profil fördert sie in der Schweiz unter anderem den Schweizer Monat, den Grob bis 2025 als Chefredaktor leitete, und das Medienmagazin Edito.

Neben der Stiftung gebe es weitere Geldgeber, betont Grob. Zu deren Namen und zur Höhe der Beiträge will sich der Verein in diesem Jahr aber nicht äussern. Grob zeigt sich am Telefon irritiert, dass die Finanzierung offenbar die einzige Frage sei, die interessiere. Auf den Kongress habe er auch viele positive Rückmeldungen erhalten. Man schaffe schliesslich ein kostenloses Angebot, und Journalisten beklagten sich ja immer, es fehle an Geld. Die Frage der Transparenz werde er aber für das nächste Jahr in den Vorstand tragen.

Wie halten es andere Journalismus-Anlässe in der Deutschschweiz? Drei Veranstalter geben Auskunft.

Reporter:innen-Forum: Bisher ein Sponsor ohne Nennung

Eine Woche nach dem Journalistenkongress, am 23. Oktober, findet das Reporter:innen-Forum statt. Es beruht grösstenteils auf Freiwilligenarbeit der Vereinsmitglieder. Rund ein Drittel der Kosten deckt es laut Website mit Teilnehmerbeiträgen, ein weiterer Teil wird durch Beiträge von Medienorganisationen und Stiftungen finanziert. Aufgeführt sind unter anderem die Stiftung Mercator, die Stiftung für Medienvielfalt, der Verlegerverband Schweizer Medien, der Verband Medien mit Zukunft und Syndicom.

Die Unterstützer würden grundsätzlich offengelegt, sagt Geschäftsführerin Pascale Trachsel, ausser eine Nennung sei ausdrücklich nicht erwünscht. Das sei bisher einmal vorgekommen. Die Höhe der einzelnen Beiträge veröffentlicht das Forum nicht.

Die Nennung biete den Unterstützern einen kleinen Gegenwert für ihr Engagement, so Trachsel. «Andererseits ist es uns wichtig, transparent zu machen, wer sich finanziell für das Reporter:innen-Forum und damit für den Journalismus engagiert.» Abgelehnt habe man bisher noch nie einen Geldgeber. Entscheidend sei, dass Geldgeber keinen Einfluss auf das Programm nehmen und die demokratischen Grundwerte respektieren.

JourTag: 11'800 Franken von neun Sponsoren

Der Verein Qualität im Journalismus (QuaJou) führt am 19. November den Journalismustag (JourTag) durch. Die Sponsoren sind auf der Website aufgeführt und am Anlass mit Logos und teils auch Ständen präsent. Auf Anfrage nennt QuaJou auch die Summe: Für den kommenden JourTag haben bisher neun Firmen und Organisationen insgesamt 11'800 Franken zugesagt. Dazu gehören laut Co-Präsident Reto Vogt unter anderem die NZZ, Somedia, der Verlegerverband Schweizer Medien, die drei Mediengewerkschaften, das MAZ und Swisscom. Weitere Anfragen sind pendent. Zudem stellt das Institut für Angewandte Medienwissenschaft (IAM) der ZHAW die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung, die es sonst kostenpflichtig vermieten würde.

«Wir halten Transparenz für wichtig, gerade im Journalismus», so Vogt. «Wir Journalist:innen fordern diese auch ein von unseren Protagonist:innen.» Ablehnen würde QuaJou Geldgeber, die Einfluss auf das Programm oder die Ausrichtung des Vereins verlangen.

True Story Festival: Auch Libertatem unter den Geldgebern

Das True Story Festival in Bern richtet sich nicht nur an Medienschaffende, sondern an ein breites Publikum, das sich für Journalismus und Demokratie interessiert. Die nächste Ausgabe findet vom 4. bis 6. Juni 2027 statt. Getragen wird das Festival von der True Story Foundation. Das detaillierte Gesamtbudget wird laut Geschäftsführerin Ramona Meyer-Brotschi den Unterstützern und den eigenen Gremien offengelegt. Die Hauptfinanzierung erfolgt über zwei Stiftungen.

Auf der Website sind nur die grössten Geldgeber aufgeführt, allen voran die Initiative Schweiz, die F.G. Pfister Kultur- und Sozialstiftung und die Fers Stiftung. Die vollständige Liste der letzten Ausgabe mit 21 Partnern und Geldgebern steht im Abschlussbericht 2026, der persoenlich.com vorliegt. Darin ist auch die Libertatem Stiftung aufgeführt. Meyer-Brotschi bestätigt auf Nachfrage, dass die Stiftung das Festival 2026 unterstützt hat.

Infrage kommen laut Meyer-Brotschi nur Geldgeber, welche die Werte der Stiftung teilen und deren Unabhängigkeit nicht beeinträchtigen. Beiträge, die an inhaltliche Bedingungen geknüpft sind, lehne man ab.



Nachtrag vom 3. Oktober: Nach Publikation dieses Artikels hat auch das Presstival in Biel geantwortet. Es nahm 2026 nach provisorischen Zahlen rund 140'000 Franken ein. Knapp drei Viertel davon stammen laut Präsident Tristan Miquel von Stiftungen (rund 43 Prozent), Berufsverbänden und Gewerkschaften (16 Prozent) sowie Städten und anderen öffentlichen Institutionen (14 Prozent). Die Geldgeber sind auf der Website aufgeführt, darunter die Stiftung Mercator, die Fondation Aventinus, die SRG sowie die Städte Genf und Biel. Die Einnahmen werden zudem samt Einzelbeträgen an der Generalversammlung offengelegt, die allen offensteht. Ablehnen würde der Verein unter anderem Geld von Organisationen, deren Werte der journalistischen Unabhängigkeit und Ethik widersprechen.