So verteidigt Roger Elsener Sparkurs und Entlassungen

SRF - Der SRF-Direktor hat den Vorwurf zurückgewiesen, der Sender entlasse Journalistinnen und Journalisten auf politischen Druck. An den umstrittenen Personalentscheiden hält er fest. Das Leitungsteam will die Kritik nun in Gesprächsrunden mit den Abteilungen besprechen.

von Nick Lüthi

«Die SRG und ihre Regionaleinheiten sind nicht beeinflussbar von der Politik», sagt Roger Elsener in einem Interview im SRF-Intranet, das persoenlich.com vorliegt. Personal- und Führungsentscheide stünden nicht im Zusammenhang mit der publizistischen Haltung oder der kritischen Berichterstattung einzelner Mitarbeitender. Elsener reagiert damit auf Kritik an den Sparmassnahmen im Rahmen des SRG-Transformationsprojekts «Enavant», die intern wie extern laut geworden ist.

In den kommenden Tagen wollen die übrigen Mitglieder des SRF-Leitungsteams mit den betroffenen Abteilungen über die Kritik sprechen. Elsener betont zudem, SRF stehe weiterhin für mutigen Journalismus. Dazu hatte er die Belegschaft schon im August in seinem ersten grossen Interview als SRF-Direktor aufgerufen (persoenlich.com berichtete).

Es geht um Bauer und Brunner

Ausgelöst hat die Kritik unter anderem die Entlassung der «DOK»-Filmerin Karin Bauer. Mit ihren Filmen sorgte sie immer wieder für Wirbel, zuletzt mit einem Beitrag zur Zürcher Wohnungsnot. Zum Abbau bei «DOK», der auch Bauer betrifft, sagt Elsener: «Für diese Entscheide gab es keine publizistischen Gründe, diese Spekulationen weise ich ganz klar zurück.» Namen nennt er keine.

Zudem verlässt die Radio-Auslandchefin Susanne Brunner nach 40 Jahren SRF. Bei der Neuorganisation hatte sie sich für eine neue Führungsfunktion beworben, die Stelle aber nicht erhalten. Statt in Frühpension zu gehen, nahm sie eine Kündigung an. Über 150 Radiomitarbeitende protestierten dagegen in einem Brief an die Leitung der Abteilung Information. Beim Umbau vermissen sie publizistische Überlegungen. Elsener sagt nun, er stehe hinter der Verantwortung, die das Leitungsteam für die Entscheide trage. Die Massnahmen seien «mit grösster Sorgfalt» geplant und umgesetzt worden, betont er. In der Information komme die gleichzeitige Fusion zweier Abteilungen hinzu. Zu einzelnen Personalentscheiden äussert sich Elsener mit Verweis auf den Persönlichkeitsschutz nicht.

«Sparen heisst immer auch verzichten»

Die Lage sei für die Mitarbeitenden anspruchsvoll, räumt der SRF-Direktor ein. «Sparen heisst immer auch verzichten – und wenn damit auch ein Stellenabbau verbunden ist, tut es besonders weh.» Wegen der Sparvorgaben des Bundesrats sei der Abbau aber unumgänglich. SRF habe dies frühzeitig und transparent kommuniziert. Gleich argumentierte im Juni bereits SRG-Generaldirektorin Susanne Wille. Die Sparmassnahmen seien «aufgrund der politischen Vorgaben unumgänglich», liess sie sich in einer Medienmitteilung der SRG zitieren. Die Gewerkschaft SSM sieht das anders: Entlassungen seien keine Notwendigkeit, sondern ein bewusster Entscheid.

Anlass für den Abbau ist der Entscheid des Bundesrats, die Medienabgabe ab 2027 schrittweise zu senken, bis 2029 von 335 auf 300 Franken. Für 2027 hat die SRG das Sparziel von ursprünglich 125 auf rund 80 Millionen Franken reduziert. Als Grund nannte sie, dass die laufenden Sparprogramme stärker wirkten, unter anderem dank der restriktiven Wiederbesetzung offener Stellen. Zudem hätten sich einige Annahmen leicht verbessert, etwa bei den kommerziellen Erträgen. Am Gesamtziel von 270 Millionen Franken bis 2029 ändere sich nichts. SRF streicht im kommenden Jahr 38 Vollzeitstellen. Rund die Hälfte davon könne über die natürliche Fluktuation erfolgen, schrieb SRF Mitte September. In den übrigen Fällen komme es zu Kündigungen oder Frühpensionierungen. (nil)