In der CIA-Fax-Affäre hat die Militärjustiz die SonntagsBlick-Reporter Sandro Brotz und Beat Jost überraschend erneut einvernommen. Die Einvernahme am Bezirksgericht Dielsdorf vom Dienstag dauerte wie schon am vergangenen 23. Mai mehrere Stunden, wie Brotz und Jost entsprechende Recherchen von "persönlich.com" bestätigten.
Die Journalisten gaben vor dem militärischen Untersuchungsrichter explizit zu Protokoll, dass der Pressesprecher des Schweizer Auslandgeheimdienstes SND, Roman Weissen, und weitere in der Öffentlichkeit genannte Amtspersonen "absolut nichts mit der Weitergabe des Faxes an die Redaktion zu tun haben". Sie werden laut Brotz und Jost "völlig zu Unrecht verdächtigt und beschuldigt". Weitere Angaben zur Herkunft des Faxes machten sie wiederum nicht.
Die SoBli-Reporter und Autoren des Buches "CIA-Gefängnisse in Europa" erklärten vor dem militärischen Untersuchungsrichter zudem, mit dem Eingeständnis von US-Präsident George W. Bush von Anfang September, es gebe die Geheimgefängnisse, habe sich deutlich gezeigt, "dass die Menschenrechte über die Staatsinteressen zu stellen sind".
Anlass der Strafuntersuchung ist ein am 8. Januar 2006 im SonntagsBlick veröffentlichter Artikel. Publik gemacht wurde ein vom Schweizer Nachrichtendienst abgefangener Fax des ägyptischen Aussenministeriums, in dem erstmals eine staatliche Stelle die Existenz von CIA-Geheimgefängnissen in Europa bestätigt. Nebst der Militärjustiz ermittelt auch die Bundesanwaltschaft in der CIA-Fax-Affäre. Diese Strafuntersuchung läuft wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses.