31.08.2025

SRG

Sogar eine Unterwasserkamera gab es am ESAF

Die SRG hat dieses Wochenende mit grossen Mitteln das Eidgenössische Schwingfest für das Fernsehen produziert. Auf SRF gab es über 20 Stunden Livesendungen. Die SRG ist aber auf Sparkurs – und bald wird über die Halbierungsinitiative abgestimmt. Wird eine solche Grossproduktion in drei Jahren noch möglich sein?
SRG: Sogar eine Unterwasserkamera gab es am ESAF
14 Kameras hat die SRG gebraucht, um das Schwingfest in Bildern festzuhalten. (Bilder: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Freitagmorgen im glarnerischen Mollis, einen Tag bevor der Wettkampf startet, strömen die Menschen zur offiziellen Festgelände-Eröffnung des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests (ESAF). An den Sponsoren- und Essständen wird noch gefeilt. Hinter den Kulissen trifft das 45-köpfige Team der SRG die letzten Vorbereitungen für die Übertragung des Festes. Es kümmert sich um die Produktion des TV-Signals, das die sprachregionalen Sender für ihre Programme brauchen. Dazu kommen noch die redaktionellen Teams von SRF, RTS und RSI, schildert Karin Nussbaumer, Leiterin nationale Produktionen bei der SRG, vor einer Gruppe von Medienschaffenden, die zu einer Führung eingeladen wurden.

Im Stadion, wo Arbeiter noch am Einrichten sind, erklärt Etienne Huter, technischer Projektleiter bei SRF, dass während des ESAF 14 Kameras zum Einsatz kommen werden. Bei regionalen Schwingfesten, die die SRG ebenfalls produziert, sind es etwa fünf, sagt er für die Einordnung. Ausserdem kommen einige spezielle Geräte zum Einsatz, wie Hypermotion-Kameras, die 1000 Bilder pro Sekunde erfassen und es ermöglichen, Details wie fliegendes Sägemehl zu beobachten. Diese waren am Donnerstagabend noch in Zürich am Weltklasse-Meeting im Einsatz.

Spidercam im Einsatz

Begeistert zeigen sich die SRG-Leute von der «Spidercam». Diese hängt über dem Stadion, ist mit langen Kabeln an vier Kränen befestigt und kann sich über die Wettkämpfe und die Tribünen bewegen. Das ESAF ist das einzige Event, das von der SRG produziert wird, bei dem eine solche «Spinnenkamera» zum Einsatz kommt. Entsprechend wird sie von einer deutschen Firma gemietet. Schon seit 2007 ist sie fester Bestandteil der ESAF-Produktionsausstattung.

Das Herzstück ist der Übertragungswagen. Von hier aus wird das TV-Signal gesendet. Und da wird Regisseur Beni Giger das ganze Wochenende sitzen und versuchen, aus den Kampfbildern Geschichten zu erzählen, wie er sagt. Er macht auf die Unterwasserkamera im Brunnen neben den Schwingplätzen aufmerksam und hofft, spezielle Bilder der Sportler, die sich das Sägemehl vom Gesicht wischen, einfangen zu können.

Der Aufwand, den die SRG und die einzelnen Sender beim ESAF betreiben, ist sichtlich enorm. Es sei einer «der grossen Höhepunkte des Schweizer Sportjahres», heisst es in der Einladung zur Führung. Das Ausmass fällt besonders im aktuellen Kontext auf, da die SRG auf Sparkurs ist und von der Halbierungsinitiative mit einer radikalen Budgetkürzung bedroht wird. Ob man sich für das ESAF keine Grenzen setze, wollte persoenlich.com wissen.

Von der «Weltklasse» direkt nach Mollis

Es gebe Grenzen, betont Etienne Huter. Er erinnert daran, dass die SRG mit der beschlossenen Senkung der Medienabgabe 17 Prozent des Budgets einsparen muss. Die Produktion intensiviert also die Nutzung der bestehenden Infrastruktur, wie bei den Kameras, die am Donnerstag beim Leichtathletik-Event «Weltklasse» in Zürich im Einsatz waren und am Freitag bereits in Mollis installiert wurden. Und es gibt immer auch einen Austausch unter den SRG-Unternehmenseinheiten. Der Übertragungswagen, in welchem SRF das eigene Zusatzprogramm produziert, sei von RSI zur Verfügung gestellt worden.

Eine bedeutende Sparmassnahme in der Produktion hat die SRG Anfang Juli angekündigt. Sie verzichtet künftig auf die Produktionsaufträge der Eishockey National League und der Uefa Club Competitions. Diese Produktionsaufträge machen heute knapp die Hälfte der jährlichen SRG-Sportproduktionen aus, betont die Medienstelle. Der Verzicht erlaube es, die Strukturen zu verkleinern.

Was würde das für den Schwingsport bedeuten, wenn die SRG auch auf die Produktion der Wettkämpfe verzichten würde? Der Eidgenössische Schwingerverband möchte diese Hypothese nicht kommentieren. Es gebe aber Alternativen, schreibt dessen Leiter Reto Bleiker auf Anfrage. Eine Alternative hat die Eishockey National League bereits gefunden: Die Firma Nep wird ab 2027 die Produktion der Spiele übernehmen, haben die Verantwortlichen letzte Woche angekündigt.

Produktionsvertrag bis 2028

Klar ist aber, dass der aktuelle Vertrag mit dem Eidgenössischen Schwingerverband bis 2028 dauert, so die Leiterin nationale Produktionen der SRG, Karin Nussbaumer. Das nächste ESAF in Thun wird also auch von der SRG produziert.

In welchem Umfang kann sie zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht abschätzen. Über die Halbierungsinitiative wird voraussichtlich nächstes Jahr abgestimmt. Niemand könne sagen, was eine Annahme bedeuten würde, so Nussbaumer. Es müsse aber davon ausgegangen werden, dass sowohl in der Produktion als auch im Programm massiv gekürzt werden müsste. «Je nach Situation müssten wir allenfalls den Kamerastandard reduzieren», so Nussbaumer. Im Vertrag mit dem Verband sei der Produktionsstandard nicht festgehalten.

Im Produktionsteam ist das Vertrauen spürbar, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer die gute Arbeit und deren Impact zu schätzen wissen. «SRF hat sehr zur Popularität des Schwingens beigetragen», bemerkt Beni Giger, der seit rund 30 Jahren die Regie am ESAF verantwortet. Projektleiter Etienne Huter schliesst ab: «Wir probieren, das Geschehen und die Emotionen so gut wie möglich abzubilden. Das ist, was wir in der Hand haben, um die Leute von unserer Arbeit zu überzeugen.»


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KOMMENTARE

Ueli Custer
01.09.2025 09:57 Uhr
Ich interessiere mich in keiner Weise für Schwingen und habe auch keine Sekunde der Übertragung gesehen. Die Tatsache, dass ein solches Schwingfest aber auf ein enorm grosses Interesse stösst, beantwortet die Frage von selbst. Natürlich kann man immer ein paar kleine Abstriche machen. Die sind aber kaum sehr kostenrelevant.
Toni Stadelmann
01.09.2025 09:38 Uhr
Gegenfrage: M u s s eine solche Grossproduktion in drei Jahren wirklich sein ?
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