Sollten Journalisten abstimmen oder nicht?

Vierte Gewalt - Journalisten sollten nicht wählen oder abstimmen, rät Michael Furger in seiner Medienkolumne in der «NZZ am Sonntag». Er selber ist Nichtwähler. Journalismusforscher Guido Keel kann das nicht nachvollziehen.

von Loris Gregorio

Die Medienkolumne in der aktuellen «NZZ am Sonntag» sorgt für Diskussionen. Hintergrund-Ressortleiter Michael Furger beschrieb unter dem Titel «Journalist und überzeugter Nichtwähler», warum er seinen Beruf nicht mit der Rolle als Stimmbürger und Wähler vereinbaren kann. Das sorgte für Unverständnis und Gegenargumentationen, etwa auf Twitter:

 

 

Journalisten seien Informationsvermittler und agierten zwischen politischen Akteuren, schreibt Furger. Daher könne ein Journalist oder eine Journalistin nicht gleichzeitig Vermittler und Akteur in diesem System sein.

Was meint die Wissenschaft zu dieser Sichtweise? persoenlich.com hat bei Guido Keel nachgefragt. Er ist Journalismusforscher und Leiter des Instituts für Angewandte Medienwissenschaften der ZHAW. «Ich kann diese Haltung nicht nachvollziehen», so Keel. Es sei alltäglich, dass Menschen sich in verschiedenen Rollen nach unterschiedlichen Logiken verhalten. Weiter erklärt Keel: «In diesem Sinn finde ich es problemlos, wenn man sich auch als Journalist an politischen Abstimmungen und Wahlen beteiligt, solange man sich seiner unterschiedlichen Rollen bewusst ist und transparent macht, wenn man die Rollen vermischt».