26.07.2025

Fridolin

Somedia übernimmt Glarner Gratiszeitung

Das Churer Medienhaus kauft die seit 1965 bestehende, finanziell angeschlagene Wochenzeitung über eine neu gegründete Tochtergesellschaft. Redaktion und publizistisches Profil der Gratiszeitung mit über 32'000 Exemplaren Auflage bleiben unverändert.
Fridolin: Somedia übernimmt Glarner Gratiszeitung
Der aktuelle Fridolin in einem Briefkasten im Kanton Glarus: Die Gratiszeitung erreicht über 32'000 Haushalte in der Region. (Bild: Sara Büchi)

Das Churer Medienunternehmen Somedia übernimmt die traditionsreiche Glarner Wochenzeitung Fridolin und sichert damit den Fortbestand der seit 1965 bestehenden Gratiszeitung. Die bisherige Verlegerin, die Fridolin Druck und Medien Walter Feldmann AG, befand sich laut Somedia in finanziellen Schwierigkeiten. Die Wochenzeitung erreicht mit einer Auflage von über 32'000 Exemplaren nahezu die gesamte Bevölkerung im Glarnerland und in den angrenzenden Regionen.

«Redaktion, Erscheinungsbild und publizistisches Profil bleiben unverändert», versicherte Somedia am Freitag in der Mitteilung. Für Leserschaft und Werbepartner gelte: «Alles bleibt wie gewohnt.» Der Fridolin erscheine weiterhin donnerstags und werde an alle Glarner Haushalte verteilt.

Als Verlagshaus fungiert die neu gegründete Fridolin Medien AG. Sie wird als eigenständiges Tochterunternehmen von Somedia geführt. Somedia erbrachte bereits in den letzten Jahren Dienstleistungen für den Fridolin – unter anderem in den Bereichen Zustellung, Druck und technische Systeme. Um eine stabile Lösung zu ermöglichen, stellte das Bündner Medienunternehmen gemäss Communiqué in den vergangenen Wochen zusätzliche Mittel zur Sicherung des laufenden Betriebs bereit.

Turbulente Vorgeschichte

Die Übernahme folgt auf eine turbulente Zeit für das Glarner Medienhaus. Erst im April hatte Stefan Wenkebach über die WF Holding AG 86 Prozent der Aktien der Fridolin Druck und Medien Walter Feldmann AG erworben (persoenlich.com berichtete).

Das Unternehmen, das seit 1922 im Glarnerland tätig ist, hatte zuvor mehrere Führungswechsel erlebt. Nach dem Tod von Walter Feldmann junior 2019 übernahm Jörg Lutz als Willensvollstrecker die Führung. Die Erben gingen im Herbst 2024 gegen Lutz vor, da der Fridolin nahe an einem Konkurs stand, wie die Südostschweiz berichtete. Das Glarner Kantonsgericht setzte Lutz im Oktober als Willensvollstrecker ab und bestätigte dies im Juni. Laut Gerichtsurteil habe Lutz seine Pflichten «mehrfach und in grober Weise missachtet».

Mit der Übernahme will Somedia nun für Stabilität sorgen. «Der Fridolin ist Teil der Glarner Identität und eine vertraute Stimme im Glarnerland. Wir freuen uns, dass er in seiner Unabhängigkeit und in vertrauter Form mit dem bewährten Team erhalten bleibt», wird Thomas Kundert, CEO von Somedia, zitiert.

Diese Lösung sei in enger Absprache mit dem bisherigen Eigentümer und der eingesetzten Sachwalterin getroffen worden, schrieb Somedia. Das für den Sanierungsfall zuständige Kantonsgericht habe seine Zustimmung ebenfalls erteilt.

Keine Abstimmung mit Glarner Nachrichten

Somedia gibt bereits die Bezahlzeitung Südostschweiz Glarner Nachrichten heraus. Beide Zeitungen würden aber wie gehabt erscheinen, versicherte Kundert auf Anfrage von persoenlich.com. «Es sind keine Änderungen vorgesehen. Weder bei Fridolin noch bei den Glarner Nachrichten. Die unterschiedlichen Positionierung und Ausrichtung bleibt bestehen.»

Die Obersee Nachrichten verbleiben bei der Fridolin Druck und Medien Walter Feldmann AG. (cbe/sda)


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KOMMENTARE

Ueli Custer
28.07.2025 08:14 Uhr
Die Übernahme ändert ja nichts an der ungenügenden Rentabilität. Ich würde wetten, dass der Fridolin spätestens nächstes Jahr eingestellt wird.
Claude Bürki
28.07.2025 05:56 Uhr
Das Unternehmen Walter Feldmann war schon immer geprägt von Turbulenzen. Trotzdem ist es schade, dass der "Fridli" in Steinbockhände gerät.
Will Bur
27.07.2025 09:44 Uhr
Somedia ist nicht ein Wohltäter, der uneigennützig einen Titel erhalten will, sondern sichert sich nach Graubünden, nun auch in Glarus sein Medienmonopol.
Edwin Hunggeler
26.07.2025 10:51 Uhr
"Die unterschiedlichen Positionierung und Ausrichtung bleibt bestehen." Wie oft hat man das bei Übernahmen schon gelesen... Aber vielleicht sorgt Somedia ja für eine Überraschung.
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