"SVP diktiert Fernseh-Inhalte" titelte vorgestern die SonntagsZeitung. Blocher habe sich vor dem Fernsehauftritt für die Sendung "Classe politique" geweigert, auf in Kurzbeiträgen eingespielte Kritik einzugehen, weil diese "nicht stufengerecht" sei. Das Fernsehen habe einlenken müssen, weil Blocher-Mitarbeiter bereits angedeutet hätten, die Sendung platzen zu lassen.
Laut SF-Chefredaktor Ueli Haldimann klingt dieser Artikel empörend -- nur stimmt er nicht. Er wirft der SonntagsZeitung in seinem Blog vor, Häme statt Aufklärung zu betreiben: "Ein paar richtige Details, ebenso viele Halbwahrheiten, ein paar klare Fehler -- all das hat sie zu einer Story mit bösartigem und rufschädigendem Spin ('SVP diktivert Fernseh-Inhalte') zusammengebaut." Laut Haldimann hat es die SonntagsZeitung unterlassen, eine Stellungnahme von SF einzuholen. "Wohl weil sonst die schöne Schlagzeile hops gegangen wäre".
Richtig sei, dass Blocher nach der Visionierung zur Einspielung, die zeigte, wie umstritten er in der Bevölkerung immer noch ist, nichts habe sagen wollen. Der Bundesrat habe daraufhin vorgeschlagen, Leuthard solle doch gleich die anwesenden Fraktionspräsidenten um Stellungnahme bitten. SF ging nach Angaben Haldimanns auf Blochers Einwand ein, weil tatsächlich die Bundesversammlung über die Wählbarkeit Blochers zu beurteilen habe und nicht er selbst.
"Am Filme wurde kein Wort und keine Einstellung verändert. Wäre Bundesrat Blocher davon gelaufen, wäre die Sendung nicht geplatzt, sondern hätte einfach ohne ihn stattgefunden", so Haldimann. Deshalb sei die Behauptung falsch. "Die SVP diktiert eben keine Inhalte", so sein Schluss. Ebenfalls sei die Feststellung der SonntagsZeitung falsch, SF habe der SVP mehr Redezeit eingeräumt als die anderen Parteieien.