Herr Zekri, wer über 50 ist und den Namen "Teleboy" hört, der denkt an Kurt Felix und ein TV-Quiz mit wackeliger Riesenfigur. Sie versuchen den Namen sei 2010 anders zu besetzen. Wie erfolgreich sind Sie dabei?
Als TV-Guide gibt es Teleboy bereits seit 2002. Jedoch erst mit der neuen Strategie und der Lancierung unserer Mobile Apps sowie dem kostenlosem Live TV und der kostenlosen Aufnahmefunktion im 2010 sind wir einem breiterem Publikum bekannt geworden. Teleboy als Markenname eignet sich hierbei ausgezeichnet für die Bekanntmachung und Wiedererkennung unserer Angebote. Der Name ist einzigartig, einprägsam und steht gleichzeitig für Fernsehen. Wir unterscheiden uns dadurch bewusst von den zahlreichen und einfach zu verwechselnden Fantasienamen.
Wie positioniert sich Teleboy?
Wir positionieren uns als OTT (over-the-top) TV-Anbieter, der dem User ein vollwertiges TV-Erlebnis bieten soll und nur noch einen Internetanschluss oder ein Handyabo voraussetzt. Hierbei setzen wir auf ein starkes, kostenloses Grundangebot nutzbar über alle Devices sowie auf Premium-Dienste.
Wenn Sie nun behaupten, dass Teleboy die Marktführerschaft übernommen hat: Wie ging die Ablösung an der Spitze vonstatten? Wie haben Sie das geschafft?
Teleboy hat von Beginn weg die fokussierteste Mobile- und Tablet-Strategie verfolgt und erfolgreich umgesetzt. Unsere iPhone App ist seit dem Launch die am besten bewertete und meistheruntergeladene TV-App der Schweiz. Für unsere iPhone App hätten wir damals Ende 2010 problemlos Geld von den Usern verlangen können. Wir haben aber damals antizipiert, dass sich in der Schweiz Live Fernsehen auf Mobile und Tablet, wie auf dem PC, auch zu einem von Gratis-Anbietern beherrschten Markt entwickeln wird. Also haben wir das damals bestmögliche Produkt kostenlos lanciert inklusive TV-Guide und Aufnahmefunktion. Die selbe Entwicklung hat sich beim iPad wiederholt. Unsere iPad App war im 2012 die zweitmeist heruntergeladene iPad App in der Schweiz direkt nach der App von Skype.
Die Anbieter behaupten alle immer sie seien Marktleader: Worauf fusst Ihre Behauptung?
In der Tat bietet die Definition Marktleader immer Spielraum für Diskussionen. Teleboy hat in den vergangenen zweieinhalb Jahren jedoch mit Abstand das stärkste und schnellste User- und Trafficwachstum verzeichnet. Der Zuwachs beim Traffic wird auch in der monatlich durch die WEMF erhobenen Net-Metrix-Audit Auswertung repräsentiert, welche absolute Zahlen über alle User misst. Dort führen wir mittlerweile bei allen erhobenen Messwerten. Bei der Messung der Reichweite in Unique Clients lagen wir im 2012 im Durchschnitt jeweils 100'000 oder mehr Unique Clients vor unseren Mitstreitern. Seit Dezember liegen wir nun auch bei den Visits vorne. Daraus erlauben wir uns den Rückschluss als Nr.1 der Online TV-Portale positioniert zu sein.
Welche Marketinganstrengungen hat Teleboy in den letzten drei Jahren unternommen? Wo packt man den Konsumenten?
Erstaunlicherweise sehr wenige. Im 2012 hatten wir unsere erste richtige Marketingkampagne zusammen mit Maxomedia umgesetzt. Das Marketing hat für uns bis jetzt für den Erfolg nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Entscheidend war das Produkt Teleboy, welches wir insbesondere beim Publikum zwischen 18 und 30 aufgrund der hohen Smartphone- und Tabletdichte in der Schweiz sehr gut platzieren konnten. Zukünftig wird das Thema Marketing in einem umkämpften Markt wie es der TV-Markt ist, auch für uns deutlich an Bedeutung gewinnen. Aktuell planen wir eine neue Marketingkampagne für 2013.
Teleboy spaltet sich von der Cinergy ab und wird selbstständig. Warum kommt es zu diesem Schritt?
Wir wollen Teleboy zukünftig mehr Spielraum und Freiheiten für das weitere Wachstum und die Produktentwicklung ermöglichen. Dies bezieht sich z.B. auf Investitionen, strategische Partner aber auch auf den Fokus des Managements.
Was hat es für Konsequenzen?
Die Plattformen Teleboy und Cineman werden nicht mehr identisch aussehen, bleiben aber auf Content-Ebene weiterhin eng mit einander verbunden. Die Mitarbeiter werden zukünftig dediziert nur noch für das jeweilige Portal arbeiten. Die Synergien auf Ebene der Vermarktung von Online-Werbung behalten wir hingegen bei, sprich die Cinergy Sales Crew vermarktet weiterhin die Portale Cineman.ch, Teleboy.ch und Moonwalk.ch zentral. Ebenso führen wir Synergien in der IT und den Prozessen fort. Als weitere Konsequenz suchen wir für die Cinergy AG einen Nachfolger für mich als Geschäftsführer.
Was macht Teleboy besser als die Konkurrenz von Wilmaa oder Zattoo?
Wie schon erwähnt bieten wir sehr gute, einfach zu bedienende und funktionsreiche Apps für Smartphones und Tablets und neu auch für Samsung TVs. Ebenso haben wir durch die Cineman- und Teleboy-Redaktion eine grössere Kompetenz beim Thema Film und Fernsehen und eine bessere Contenttiefe für weiterführende Informationen. Mittelfristig sehen wir übrigens auch die klassischen TV-Anbieter wie Swisscom oder UPC Cablecom als direkte Konkurrenten.
Rund 65 Prozent des Traffics auf teleboy.ch stammt anscheinend von Smartphones und Tablets. Was wird am Häufigsten geschaut? Welche Inhalte werden konsumiert?
Die Einschaltquoten verhalten sich grundsätzlich sehr ähnlich wie im klassischen Fernsehen. Wir verzeichnen ebenfalls die grössten Peaks bei Live Sportübertragungen. Durch das tendenziell jüngere Publikum werden bei uns die deutschen Privatsender sowie SRF 2 und 3Plus häufig konsumiert. Auf Mobile und Tablet fallen die Sportanlässe sowie aktualitätsbezogene Inhalte noch mehr auf als auf dem PC. Der Glaube auf dem Smartphone werde hingegen vorwiegend auswärts TV geschaut ist ein Irrtum. Wir messen deutlich mehr User welche zu Hause auf dem Smartphone TV schauen als unterwegs.
Wofür eignet sich teleboy.ch nicht? Welche Komponente des Fernsehvergnügens decken Sie nicht ab?
Mit dem Sprung auf den grossen TV im Wohnzimmer über die Smart TV App von Samsung oder über Apple TV und AirPlay haben wir die grösste und wichtigste Lücke schliessen können. Uns fehlen hingegen die exklusiven Sportübertragungsrechte oder Pay-TV Sender wie sie Teleclub in der Schweiz anbietet. Ebenso haben wir noch keine HD-Sender aufgeschaltet oder Video-on-Demand. An beidem arbeiten wir aber bereits.
Was ist für 2013 geplant?
Für 2013 ist eine optische Auffrischung von Teleboy.ch auf dem stationären Computer geplant. Ebenso wollen wir HD-Sender ins Angebot aufnehmen. Wir strecken aktuell auch die Köpfe wieder bezüglich eines Video-on-Demand Angebots zusammen. 2009 hatten wir mit Cineman.ch und einem Partner bereits das erste Set-top-Box- und Grundgebühren-unabhängige Video-on-Demand Angebot der Schweiz lanciert. Jedoch aufgrund mangelnden Erfolgs und zahlreichen technischen Schwierigkeiten hatten wir es damals wieder eingestellt. Heute hat sich der Markt in diesem Bereich zu unseren Gunsten weiterentwickelt.
Interview: Adrian Schräder