Sport-Blocker in der News-App stösst auf Kritik

SRF - Wer keinen Sport mag, braucht ihn nicht mehr zu sehen: Schweizer Radio und Fernsehen hat in seine News-App eine Ausblendefunktion für Sportinhalte eingebaut. Dem Dachverband des Schweizer Sports gefällt das nicht.

von Nick Lüthi

Sport in den Medien polarisiert. Wer mit Fussball, Eishockey & Co. nichts anfangen kann, liest auch nicht ausnahmsweise einmal einen Artikel zum Thema. Und dennoch zählt Sport als integraler Bestandteil zum Angebot von General-Interest-Medien. Während sich private Anbieter den Auftrag quasi selbst erteilen, ist die SRG in der Schweiz via Konzession dazu verpflichtet, umfassend über Sportereignisse zu berichten. Das geschieht zum einen live im Radio und Fernsehen, zum anderen aber auch in der News-App. Die Online-Anwendung gilt gemäss SRF-Direktorin Nathalie Wappler tagsüber inzwischen als «unser wichtigster Newskanal».

Seit dem jüngsten Update ermöglicht es SRF, die Sportberichterstattung in seiner News-App komplett auszublenden. Wer die entsprechende Funktion aktiviert, sieht im kuratierten Newsfeed, in der Rubrik mit den neuesten Beiträgen und in der Video-Übersicht keine Sportmeldungen mehr.

«Dazu gingen vermehrt Rückmeldungen ein»

Nach den Gründen für die Einführung dieser Funktion gefragt, betont SRF zuerst das «grosse Interesse» an der Sportberichterstattung in der News-App. Gleichzeitig habe man Verständnis dafür, dass ein Teil der Nutzenden dieses Angebot in der separaten SRF Sport App erwartet – sprich: Ein Teil der Nutzenden störte sich an den Sportmeldungen in der allgemeinen News-App, die das volle konzessionskonforme Informationsangebot von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) abbildet. «In den letzten Jahren gingen dazu vermehrt Rückmeldungen ein», teilt die SRF-Medienstelle auf Anfrage von persoenlich.com mit. «Deshalb hat sich SRF entschieden, diese Funktion einzuführen.»

Einen Widerspruch zum Service-public-Auftrag sieht SRF nicht. Schliesslich seien die Sport News «weiterhin jederzeit für alle Nutzenden verfügbar», betont das Medienhaus. «Die Nutzenden können den Filter auf Wunsch selbst setzen und wieder entfernen und dadurch entscheiden, ob ihnen die Sport News angezeigt werden.»

«Auch für andere Themen einführen oder weglassen»

Swiss Olympic, der Dachverband des Schweizer Sports, zeigt ein gewisses Verständnis für die neue Funktion. Es sei ihnen bewusst, dass sich nicht alle Menschen für Sport interessieren. «Das können wir nachvollziehen – wenn auch nur zähneknirschend. Wenn sich aber die App für diese Menschen dadurch verbessert, ist das legitim», schreibt Alexander Wäfler, Medienchef von Swiss Olympic, auf Anfrage. «Unser Vorschlag wäre dennoch», so Wäfler weiter, «dass SRF die Funktion entweder auch für andere Themen einführt oder sie weglässt, wenn sie weiter nur für den Sport gelten soll.» SRF hält fest, dass eine solche Option für andere Themenbereiche nicht angedacht sei, da es etwa für Kultur keine separate App gebe wie für den Sport.

Mit seinem Sport-Blocker betritt SRF Neuland. Aktuell ist kein anderes öffentliches oder öffentlich-rechtliches Medienunternehmen bekannt, das eine negative Personalisierung («Ich will Sport nicht sehen») für ein zentrales Ressort ermöglicht. Üblich sind Optionen zur positiven Personalisierung («Ich will Sport prominenter sehen»). So kann man etwa bei RTS in der Westschweiz die Rubriken nach eigenen Vorlieben anordnen und seine Favoriten in der Navigation priorisieren. Unabhängig davon werden im Hauptfeed Sport News aber immer als Teil des Informationsangebots angezeigt, obwohl RTS auch eine eigene Sport-App anbietet.

Eine Ausblendefunktion für Sportinhalte bot in der Schweiz bisher das private Nachrichten- und Unterhaltungsportal Watson – wenn auch nur für Fussball für die Dauer einer EM und später auch einer WM. Das war damals mehr als Scherz zu verstehen. SRF dagegen meint es ernst.