Im Alter von 58 Jahren ist Felix Reidhaar am Donnerstag in Zürich an Krebs gestorben. Reidhaar war seit 1989 Chef der Sportredaktion der "Neuen Zürcher Zeitung" und und seit 2002 auch der "NZZ am Sonntag".
Felix Reidhaar war mehr als 35 Jahre Sportredaktor an der Falkenstrasse. 1972 kam er im Alter von 22 Jahren als Volontär zur "NZZ". In seiner Jugend selbst aktiver Leichtathlet und Fussballer, später diplomierter Trainer des Schweizerischen Fussballverbands und Jugend-und-Sport- Leiter, hat sich Reidhaar als langjähriger Berichterstatter mit den Schwerpunkten Fussball, Ski, Fechten, Leichtathletik und in jüngerer Vergangenheit auch Segelsport sowie der Teilnahme an unzähligen Grossanlässen immer wieder an die Front begeben. Auch nach seiner Ernennung zum Ressortleiter 1989 habe es sich Reidhaar nie nehmen lassen, an die Plätze des Geschehens zu reisen, schreibt NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann in einem Beitrag zu dessen Tod.
Reidhaar habe seine Begeisterung für den Sport und das Sportgeschehen nie kaschiert, aber auch nie zum journalistischen Massstab gemacht. Triumphalismus sei ihm ein Greuel gewesen -- genauso, wie er sich über emotionsgetriebenes Niederschreiben bei ausbleibender Leistung durch seine Zunft habe ärgern können. Sportjournalismus habe er immer mit den Ansprüchen einer NZZ-Qualität verbunden; Leistungen seien in ihrer Relevanz einzuordnen, allenfalls zu loben, aber nicht hochzujubeln -- oder aber zu kritisieren, ohne sie zu verdammen.
In seiner journalistischen Laufbahn hat sich Reidhaar laut Spillmann nicht nur Freunde geschaffen. Seine schonungslose Kritik an den Exzessen im Spitzen- und Breitensport, an der Gier nach Rekorden und der uferlosen Kommerzialisierung hätten der NZZ-Sportberichterstattung Kanten und Profil gegeben, wie sie in der grossmehrheitlich einfacheren Sachverhalten zuneigenden Sport-Publizistik selten geworden seien. Bis zuletzt sei er beispielsweise davon überzeugt gewesen, dass die Krake Doping bekämpft, nicht einfach hingenommen werden dürfe, solle der Sport seine Glaubwürdigkeit und Faszination bewahren.