Sportreporter überraschend gestorben

Hans Jucker - Herzinfarkt kurz nach Pensionierung.

Der legendäre Fernseh-Sportreporter Hans Jucker ist tot. Drei Wochen nach seiner Pensionierung erlag der legendäre Moderator am Samstagmorgen an seinem Wohnort Affoltern am Albis ZH einem Herzinfarkt. Seine blecherne Stimme war unverkennbar. Während 46 Jahren hatte Hans Jucker verschiedenste Sportarten kommentiert - von Boxen über Radrennen bis zu Frauen- Skirennen. Er war damit der dienstälteste Sportreporter des Schweizer Fernsehens. Bei 13 Olympischen Spielen stand er im Einsatz. Gemäss Schweizer Fernsehen sass der Fernsehmann über 10'000 Stunden live hinter dem Mikrofon. Jucker war bekannt für seine charismatische Berichterstattung, seinen Humor und seinen Schnauz.

Am 11. Januar hatte Hans Jucker seinen 65. Geburtstag gefeiert. Ende Januar trat der TV-Journalist und Pub-Besitzer in Affoltern am Albis altersbedingt als Sportreporter zurück. Für die Zeit danach hatte er sich viel vorgenommen.

Weniger unter Strom sein

"Ich wünsche mir, dass ich nun öfters mit meinen Kollegen zusammensitze und über Gott und die Welt rede, statt immer unterwegs und permanent unter Strom zu sein", sagte er Anfang Januar in einem Interview mit dem "SonntagsBlick". Auf das Reisen wollte er aber nicht ganz verzichten. In der Sendung "Livestyle" auf Tele Züri am Freitagabend verriet er Moderatorin Patricia Boser, dass er Ende April erstmals in seinem Leben eine Kreuzfahrt auf dem Mittelmehr unternehmen wolle. Zunächst aber wollte Jucker Ende Februar mit dem FC Affoltern am Albis ins Trainingslager nach Valenzia. Er sprach vom Besuch von Skirennen in Garmisch-Patenkirchen, einem GA und Reisen durch die Schweiz: "2. Klasse reicht, da ich mich ja meistens in den Speisewagen setzen werde."

Vom Gemeindeschreiber zum Sportreporter

Jucker war ursprünglich Gemeindeschreiber. 1965 kam er zum Schweizer Fernsehen: "Ich musste bei einem Test mein Sportwissen unter Beweis stellen und ein Filmli kommentieren." Und zwei Tage später habe er den Auftrag erhalten, vom Björnstad- Gedenklauf zu berichten. "Ich hatte vom Langlauf keine Ahnung", gestand Jucker dem "SonntagsBlick". Und weil er den Zieleinlauf prompt verpasste, bat er den Sieger, den Schlussspurt nochmals für ihn und den Kameramann zu wiederholen. Am 29, Januar kommentierte Hans Jucker für das Schweizer Fernsehen mit dem CSI in Zürich seinen letzten Sportanlass. Nachdem das letzte Pferd die Arena verlassen hatte, verabschiedete er sich mit den Worten: "Ich sage nicht auf Wiedersehen, sondern ganz einfach 'Adie mitenand'."

Legendäre Sprüche

Mit Hans Jucker verliere die Schweizer Sport- und Medienszene einen charismatischen Kommentatoren, liess sich Urs Leutert, Leiter Sport Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), in einer Medienmitteilung zitieren. "Wir trauern um einen lieben, humorvollen Kollegen." Hans Jucker war eine Kultfigur in der Sportjournalistengilde. Kult wurden auch seine nicht für das Fernsehpublikum bestimmten Sprüche über "Schissponys", die "dumme huere Ruderer" oder die Verwechslung von Skirennfahrer Peter Müller mit Pirmin Zurbriggern. (sda)