Springer präsentiert iPad-Magazin

"The Iconist" - "Welt am Sonntag" lanciert "hochwertige" Lifestyle-App.

Alle zwei Monate liegt der "Welt am Sonntag" (WamS) ein qualitativ hochstehendes Mode- und Lifestyle-Magazin namens "Icon" bei. Wenn nun ab Ende Mai Apple’s iPad (vielleicht) auch in Europa erhältlich sein wird, will "Icon" mit der eigens entwickelten iPad-App "The Iconist" vom Start weg dabei sein. Dies berichtet der deutsche Branchendienst "Horizont.net". Bei Axel Springer wird das Projekt bereits als "Cutting Edge Produkt für die Innovationselite" bezeichnet.

Nun arbeiten ja viele Verlage an ähnlichen Projekten. Auch wird sich erst in einigen Wochen oder Monaten weisen, was bei den Nutzern zu welchen Kosten wie gut ankommt. Doch in seinem Bericht lässt Horizont-Chefredaktor Volker Schütz genau diese Distanz vermissen. Er lobt "The Iconist" nicht nur als "ein sehr schön aufbereitetes, multisensuales eMagazin", sondern fügt geradezu euphorisch hinzu: "Wenn es noch mehr solcher eMagazine auf Apples Tablet-PC gibt, dann wird das iPad in der Tat das Leseverhalten verändern." Seine Aussage vermag er allerdings weder mit der Bildstrecke auf Horizont.net noch im Text mit Details zu stützen.

Kommt dazu, dass das Projekt naturgemäss auch noch Fragen aufwirft. So ist etwa unklar, weshalb "The Iconist" nur vierteljährlich erscheint, also nicht parallel zum Printprodukt. Auch der Verkaufspreis für das App steht noch nicht fest, er wird zwischen 2,99 bis 4,99 Euro liegen. Klar sind hingegen die Anzeigenpreise. Gebucht werden können ganzseitige statische, animierte oder Bewegtbild-Inserate zu 7500 bis 12 000 Euro. Fest steht ferner, dass "The Iconist" plattformunabhängig funktionieren wird, doch wie Redaktionsleiterin Inga Griese im Horizont-Interview erklärt, hat sich die WamS zum Start "bewusst für Apple entschieden: Das iPad ist definitiv das Produkt mit dem größten marktrelevanten Hype-Faktor."

Gemäss Griese startete das "Inconist"-Projekt schon Mitte 2009, noch bevor man etwas von einem iPad wusste. "Wir hatten nur dieses Gefühl, dass es einen Markt für Tablet-PCs gibt und diese Plattform ein interessantes Trägermedium für unser journalistisches Anliegen, Geschichten aus den Bereichen Luxus, Mode und Lifestyle zu erzählen, ist."

So sehr Griese von ihrem Projekt auch überzeugt ist, trotz Schütz’s Euphorie bleibt sie wohltuend nüchtern. Auf die Frage, was denn den "Icon"-Leser vom "Iconist"-Leser unterscheide, sagt sie zum Beispiel, dass man derzeit noch gar nicht wissen könne, ob es überhaupt zu verschiedenen Zielgruppen kommt. Eher gehe sie von situationsbedingten Nutzungen aus. "Während man zuhause bislang eher zum Magazin oder Buch greift, wird das iPad seine Stärken meines Erachtens ausspielen, wenn man unterwegs ist."

Im übrigen vertritt Griese die Meinung, dass man "nicht jeden Hype mitmachen" müsse. Als Beispiel nennt sie Twitter: Die Aufregung um diesen Dienst habe sich gelegt – "auch bei mir selbst. Ich twittere, wenn ich auf einer Modenschau was Interessantes entdecke, aber sonst eigentlich so gut wie nie."

(Bearbeitung: Markus Knöpfli)