Der Axel Springer Verlag würde mit der Übernahme von Ringier zu Europas grösstem Printkonzern. Sollte es mit dem Deal jedoch nicht klappen, hält sich das Medienhaus Unternehmenskreisen in Berlin zufolge die Option offen, das von Leo Kirch gehaltene Springer-Aktienpaket von 40.3 Prozent an die Börse zu bringen. Diese Alternative werde erwogen, falls die Verhandlungen mit dem Ringier-Verlag scheitern, wie die Nachrichtenagentur ddp am Freitag vermeldete.
Knackpunkt bei den Verhandlungen sei die Bewertung und somit der Preis für Ringier, erklärten die Kreise. Bei einem Scheitern werde Springer vermutlich auf die zweite Verwertungsmöglichkeit für das Aktienpaket zurückgreifen und in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank die Anteile in Zweitplatzierung an die Börse bringen. Springer favorisiere allerdings den Zusammenschluss mit Ringier. Ebenfalls am Freitag war bekanntgeworden, dass Leo Kirch seine Beteiligung am Axel Springer Verlag an die Deutsche Bank abtreten muss, eine Entscheidung, die das Landgericht München gleichentags getroffen hatte.
Medienminister Leuenberger besorgt über mögliche Fusion
Medienminister Moritz Leuenberger zeigte sich am Samstag besorgt über eine Fusion des Ringier-Verlages mit Springer. "Springer statt Ringier wäre ein Kulturschock", wie er gegenüber der NZZ am Sonntag sagte. Der Ringier-Verlag zeichne sich durch "soziales Verantwortungsbewusstsein im Sinne des schweizerischen Föderalismus und des Schutzes der Minderheiten" aus. Springer hingegen verfolge eine "rechtskonservative Linie". Immerhin, so Leuenberger weiter, gäbe es nach der Fusion der beiden Häuser "keine Monopolsituation" auf dem Schweizer Medienmarkt.