An einer Medienkonferenz in Bern hat die SRG eine unerfreuliche Jahresrechnung präsentieren müssen. Das Defizit fällt mit 79 Mio. Franken höher als erwartet aus. Budgetiert war ein Defizit von 57 Mio. Franken, unter anderem wegen den nicht vollständig refinanzierbaren sportlichen Grossanlässen EURO 2008 und Olympische Spiele in Peking.
Die kommerziellen Einnahmen nahmen im Berichtsjahr ab, insbesondere verzeichnete die Fernsehwerbung Einbussen. Nicht budgetierte Kosten verursachte laut SRG die Pensionskasse PKS, die wegen der Finanzkrise in Unterdeckung geriet und teilweise von der Arbeitgeberin saniert werden muss. Auch im laufenden Jahr sei mit einem Defizit zu rechnen.
Keine Gebührenerhöhung -- Programmangebot wird reduziert
Die abnehmenden Einnahmen konnten nicht mehr durch Spar- und Effizienzmassnahmen kompensiert werden. Trotz den trüben Finanzaussichten bleibt der Ruf nach einer Gebührenerhöhung bei der SRG aus. Angesichts der Wirtschaftskrise stehe dies nicht zur Diskussion.
Die finanzielle Wirklichkeit hat Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der SRG zu weitern Sparmassnahmen veranlasst. Im Dezember 2008 wurde beschlossen, auf vergleichbarer Basis die Anzahl Stellen der SRG für das Jahr 2009 auf dem Niveau des Budgets 2008 zu plafonieren und das Sparvolumen bis 2010 auf rund 100 Mio. Franken zu steigern.
Die fehlenden Einnahmen haben aber auch direkte Konsequenzen auf die Programmleistungen der SRG. Eine Reduktion des Angebots und der Eigenproduktionen sei nicht zu vermeiden. Wo, wann und wie viel in den nächsten drei bis fünf Jahren abgebaut werden muss, wird laut SRG im Rahmen der Mittelfristplanung entschieden werden.
Radio und Fernsehen werden zusammengelegt
Weiter hat der Verwaltungsrat der SRG Ziele und Rahmenbedingungen für die Medienkonvergenz beschlossen. Diese sehen die Zusammenlegung der Unternehmenseinheiten je Sprachregion und eine engere Zusammenarbeit zwischen Radio, Fernsehen und Online vor. Die in der Suisse romande und in der deutschsprachigen Schweiz noch nach Radio und Fernsehen getrennten Unternehmenseinheiten sollen wie bei RSI und RTR zu einer sprachregionalen Unternehmenseinheit zusammenwachsen.
Die regionalen Konvergenzprojekte sollen ohne Dominanz eines Mediums erarbeitet werden. Die regionalen Verwaltungsräte setzen dafür Projektleitungen ein, die diesem Umstand Rechnung tragen, und auch die Projektteams sollen ausgewogen zusammengestellt werden. Die Wahl der Direktoren in den Regionen erfolgt erst, nachdem der SRG-Verwaltungsrat die jeweiligen Projekte genehmigt hat.
Für die Deutschschweiz und die Romandie komme eine "Vollkonvergenz" mit einem Hauptstandort und einem einzigen Chefredaktor nicht in Frage. Die Informationsabteilung von Radio DRS bleibe in Bern. Die Hauptstandorte Genf, Lausanne, Bern, Basel, Zürich, Lugano Besso, Comano und Chur bleiben ebenso bestehen.
Die Umsetzung der regionalen Konvergenzprojekte erfolgt nach Verabschiedung durch den Verwaltungsrat; bei RSI ist die Umsetzung bereits in Gang, in der Suisse romande beginnt sie voraussichtlich Anfang 2010, in der Deutschschweiz aufgrund der Grösse und komplexeren Struktur im zweiten Halbjahr 2010. Der Übergang von zwei getrennten zu einem gemeinsamen Unternehmen und die Veränderung der Arbeitsprozesse sollen ab dann schrittweise erfolgen.