15.08.2018

Prime News

«Staatliche Subventionen sind der völlig falsche Ansatz»

Das neue Basler Onlinemagazin wolle dem Staat kritisch auf die Finger schauen, sagt Gründer und Chefredaktor Christian Keller. Da passe es nicht, Geld von der öffentlichen Hand zu erbetteln. Stattdessen setzt das Magazin auf die «Smartwall».
Prime News: «Staatliche Subventionen sind der völlig falsche Ansatz»
«Prime News»-Gründer Christian Keller war zuvor Lokalchef der «Basler Zeitung». (Bild: zVg.)

Herr Keller, Sie sind nun mit «Prime News» gestartet (persoenlich.com berichtete). Warum haben Sie dieses Onlineportal gegründet?
Erstens glaube ich daran, dass journalistische Hintergrundbeiträge in der Region Basel einem Bedürfnis entsprechen – und dass ein genug grosses Publikum vorhanden ist, welches bereit ist, für entsprechende Inhalte zu bezahlen. Zweitens glaube ich an die «Smartwall», die von einem Lausanner Start-up-Unternehmen entwickelt wurde und sowohl für die Leserschaft wie auch die Werbung hochattraktiv ist.

Wie funktioniert das?
Bei «Prime News» können Sie einen einzelnen Artikel per Smartphone innert Sekunden kaufen und freischalten – ohne langwieriges Registrierungsverfahren. Oder Sie haben alternativ die Möglichkeit, einen 15-sekündigen Werbespot anzuschauen. Auf diese Weise gelangen Sie ebenfalls hinter die Bezahlschranke. Das fasziniert mich. Als ich die Smartwall-Technologie entdeckt habe, war für mich klar: Jetzt ist der Moment gekommen, um in Basel mit einem eigenen Portal an den Start zu gehen.

Jetzt hat gerade Ihr Mitbeweber barfi.ch doch erhebliche finanzielle Probleme. Hat Sie dies nicht abgeschreckt von Ihrem Projekt?
Nein, denn barfi.ch hat ein ganz anderes Konzept. Die meisten Beiträge haben Newsticker-Charakter, zudem sind sämtliche Inhalte kostenlos verfügbar. Barfi.ch ist im Raum Basel eine beliebte Plattform, welche viel Zuspruch erfährt. Eine Leistung, vor der ich den Hut ziehe. Und trotzdem: Alleine mit Ad-Bannern scheint sich ein solches Modell nicht finanzieren zu lassen. Das ist die Erkenntnis, die ich aus der Situation bei barfi.ch ziehe.

Jetzt gibt es in Basel vier verschiedene Onlineportale. Ist dies nicht ein bisschen viel?
Wir setzen konsequent auf Hintergrundberichte. Glauben Sie mir: Im Raum Basel gibt es so viel zu recherchieren und aufzudecken, da kann es nie genügend Onlineportale geben.

Sie haben 14 Mitarbeiter, was nicht wenig ist. Wie finanzieren Sie Ihr Portal?
Unsere Strukturen sind bewusst sehr schlank. Abgesehen von mir und meinem Bruder Stephan Keller, welcher für den Verkauf verantwortlich ist, beschäftigen wir ausschliesslich Freelancer. Auf diese Weise bleiben wir bezüglich den Kosten sehr flexibel.

Sie lehnen ausdrücklich staatliche Unterstützung und Subventionen ab, wie Sie in Ihrem Kommentar schreiben. Ist ein solches Medium nur mit Nutzergebühren und Werbung zu finanzieren?
Davon bin ich überzeugt. Die Ungewissheit gehört wohl aber zum Schicksal eines jeden Jungunternehmers. Unabhängig davon: Staatliche Subventionen sind in jedem Fall der völlig falsche Ansatz. Wir müssen es schon selber hinbekommen, den Leser von unseren Angeboten zu überzeugen. Unsere Aufgabe ist es zudem, dem Staat kritisch auf die Finger zu schauen. Und nicht Geld von ihm zu erbetteln.

Wie sind die ersten Reaktionen in Basel auf Ihr Portal?
Wir erhielten zahlreiche Gratulationen. Die Smartwall scheint beim Publikum sehr gut anzukommen – Stand Dienstag, einen Tag nach dem Launch. Und zum Glück hatten wir bislang praktisch keine technischen Probleme. Aber es ist ganz klar: Vor uns liegt noch ein langer und steiniger Weg. 

Sie haben sich als Lokalchef der «Basler Zeitung» einen Namen gemacht. Wie viele ehemalige Kollegen werden in Zukunft für Sie arbeiten?
Das kommt darauf an, wie die Lohnverhandlungen verlaufen… Im Ernst: Da wir vorerst keine Löhne bezahlen können, stellt sich diese Frage für mich aktuell nicht.


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