Stabile Finanzen und gute Noten

Mediapulse - Radio- und TV-Forscherin konnte Abhängigkeit von SRG verringern.

Im 2009 hat die Mediapulse Gruppe neben dem Tagesgeschäft vor allem ihr Radio- und TV-Panel so umgestellt und ausgebaut, dass die Stichproben nun an die neuen Konzessionsgebiete angepasst sind. Die Umstellung beim Radiopanel erfolgte schon per 2009, jene beim TV-Panel auf Anfang 2010, eine Arbeit, die Mediapulse auch von Gesetzes wegen vornehmen musste. Gleichzeitig gleiste Mediapulse auch die für die Panel notwendige Grundlagenstudie Establishment Survey mit 10 000 befragten Haushalten neu auf.

Bundesbeitrag für Panelanpassung

Im Geschäftsjahr 2009 erwirtschaftete die Berner Forschungsgruppe einen Ertrag von 19,8 Millionen Franken, fast eine Million oder 4,3 Prozent mehr als im 2008. Diese Zunahme sei wesentlich auf Beiträge des Bundes in der Höhe von 701 000 Franken für die erwähnte Panelanpassung zurückzuführen, sagte Mediapulse-CEO Manuel Dähler. "Man kann sagen: Jener Teil des Panelumbaus, der nötig war, um den gesetzlichen Auftrag zu erreichen, wurde von der Eidgenossenschaft übernommen", fasste er zusammen. Der Unternehmensgewinn von Mediapulse sank jedoch um 39 Prozent auf 299 000 Franken. Dennoch bezeichnete Dähler das Ergebnis als "ähnlich gut wie im Vorjahr", da der Gewinn 2008 bloss wegen eines "periodenfremden Ertrages" höher ausgefallen war.

SRG-Darlehen weitgehend abgestottert

Besonders erfreulich ist aber ein anderer Aspekt: Mediapulse konnte ihre finanzielle Abhängigkeit von der SRG im letzten Jahr stark verringern. Die aus dem SRG-Forschungsdienst hervorgegangene, heute aber SRG-unabhängig aufgestellte Forschungsgruppe hatte bei ihrem Start im 2006 sowohl das Radio- als auch das TV-Panel von der SRG übernommen - dies in Form eines Darlehens von 4,2 Millionen Franken. Dieses Darlehen ist mittlerweile bis auf 800 000 Franken zurückbezahlt, Ende 2010 sollte es dann ganz getilgt sein, sagte Dähler auf Anfrage.

Die Rückzahlung war von Beginn weg von Mediapulse forciert worden, um die Abhängigkeit vom früheren Mutterhaus möglichst rasch zu mindern. Denn auch ohne Darlehen ist Mediapulse stark auf die SRG angewiesen – ist sie doch ihr Hauptdatenkunde. Die Verträge mit der SRG und ihrer Vermarktungstochter Publisuisse wurden im letzten Jahr auch wieder erneuert, hielt Dähler fest. Überhaupt konnte Mediapulse den Kundenbestand gegenüber Vorjahr stabil halten. Der drittgrösste Datenbezüger von Mediapulse ist übrigens IP Multimedia, die Vermarktungstochter der Goldbach Media.

Grosse Herausforderungen und gute Zensuren

Das TV-Panel Telecontrol umfasste per Ende 2009 1870 täglich gemessene Haushalte mit insgesamt 4200 Personen ab 3 Jahren. Das Messsystem erfasst die Nutzung aller Sender, die in der Schweiz empfangbar sind.

Beim rollenden Radiopanel tragen täglich 1012 Personen ab 15 Jahren ein Messgerät in Form einer Armbanduhr (Mediawatch), die die Radionutzung des Trägers an 365 Tagen im Jahr und rund um die Uhr erfasst.

Wegen der rasch zunehmenden Digitalisierung in der Medienbranche steht Mediapulse vor grossen Aufgaben. Die Erfassung der mobilen und internetbezogenen Nutzung von TV und Radio ist immer noch nur beschränkt möglich; diesbezügliche Lösungen sind in Erarbeitung, sagte Dähler. Die Integration verschiedener Datensätze aus unterschiedlichen Quellen in eine medienübergreifende Währung bestehe bis jetzt nur in Ansätzen.

Für die beiden Panel und die neue Grundlagenforschung erhält Mediapulse von der Medienwissenschaftlichen Kommission (MWK), die Geräte, Rekrutierung der Panelteilnehmer, Daten und Methodik jährlich unter die Lupe nimmt, insgesamt gute Noten. Dies ist dem MWK-Bericht zu entnehmen. Im Detail gibt es jedoch zahlreiche Mängel, die Mediapulse noch beheben muss. Einen Punkt beim TV-Panel bezeichnet die MWK gar als "dringend": In etwa der Hälfte der Panelhaushalte kann aus technischen Gründen die Teletext-Nutzung nicht gemessen werden.

(Text: Markus Knöpfli)