Ein wohl einmaliger Fall in der Schweizer Medienlandschaft kommt vor Gericht. Wie die NZZ und der «Tagesanzeiger» heute vermelden, klagt die Stadt Rapperswil gegen die zur Mediengruppe «Südostschweiz» gehörende «Obersee Nachrichten» (ON). Das Schlichtungsverfahren habe nichts geholfen. Die Stadt sehe sich laut eigener Darstellung mit einer Hetzkampagne und schwerwiegenden Persönlichkeitsverletzungen konfrontiert; die «Obersee Nachrichten» hingegen beklagen eine Bedrohung der Pressefreiheit.
Kein Ende der Berichterstattung abzusehen
Grund für die Eskalation ist ein langwieriger Streit um die Berichterstattung der «ON» über die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Linth und deren Präsidenten Walter Grob. Wie die Stadt nun laut NZZ mitgeteilt hat, sei in einem Schlichtungsgespräch vor wenigen Tagen keine Annäherung erzielt worden. Die Stadt Rapperswil-Jona und Kesb-Leiter Grob reichen deshalb beim Kreisgericht eine Klage wegen Persönlichkeitsverletzung gegen die Zeitung und die beiden Journalisten Bruno Hug, der gleichzeitig ON-Verleger ist, und Mario Aldrovandi ein. Sie sehe es als ihre Pflicht an, die Kesb-Mitarbeiter vor ungerechtfertigten und persönlichkeitsverletzenden Angriffen zu schützen, dies umso mehr, als sich kein Ende der «Obersee-Nachrichten-Hetzkampagne» abzeichne. In der Schlichtungsverhandlung hätten die Verantwortlichen der Zeitung keine Bereitschaft gezeigt, sich in der Berichterstattung über die Kesb «an geläufige Standards und an die Fakten zu halten».
«Schandfleck der Gesellschaft»
Für Aufsehen gesorgt haben in den letzten Monaten diverse Einzelfälle aus dem Verantwortungsbereich der Kesb Linth. Während Hug die Kesb als «Schandfleck unserer Gesellschaft» und als «Behörden-Monstrum» bezeichnet, wirft der Stadtrat den «ON» vor, normale Vorgänge zu skandalisieren und zum Teil gar mit erfundenen Fakten zu operieren. (NZZ/TA).