"'Start up' ist ein Experiment, kein Hurra-Format"

- Interview mit Projektleiter Alexander Mazzara.

Drei Tage vor Anmeldeschluss haben fast 700 junge Unternehmer ihre Geschäftsidee für die neue SF-Doku-Soap "Start up" eingereicht. Mit dem eigenentwickelten Sendeprojekt betritt das Schweizer Fernsehen über weite Strecken Neuland: Die elfteilige Serie folgt keinem festen Skript, es gibt keinen Sieger und kein Preisgeld. "Wir bilden allein die Wirklichkeit ab", sagt Alexander Mazzara, Projektleiter der Sendung im Interview mit "persoenlich.com".

Herr Mazzara, in wenigen Tagen läuft die Anmeldefrist für "Start up" ab. Wieviele Bewerbungen sind eingegangen?

Bis heute Nachmittag erhielten wir 675 Bewerbungen. Das ist mehr, als wir und die Branche erwartet haben. Ausgegangen waren wir von lediglich 200 bis 300 Eingaben.

Welche Kriterien entscheiden darüber, wer es ins Fernsehen schafft?

Ganz einfach: Die Firma muss erstens in der Schweiz gegründet werden und hier Arbeitsplätze schaffen. Zweitens muss das Start-up innovativ sein. Wer in Zürich eine Pizzeria oder einen Coiffeursalon eröffnet, kommt also mit seiner Idee nicht durch. Das heisst aber nicht, dass das Projekt im Hightech-Bereich angesiedelt sein muss. Wir finden einfache, aber bestechende Ideen genauso interessant. Wichtig ist, dass sich mit der Idee auch Geld verdienen lässt.

Wie läuft das Selektionsverfahren ab?

Das Institut für Jungunternehmen IFJ wählt in einem ersten Schritt die hundert besten Projekte aus. Die Jungunternehmer können in einem nächsten Schritt ihre Ideen einer Vorjury präsentieren. Hier wird sich die Spreu noch einmal vom Weizen trennen: nur die Hälfte wird die Präsentationsrunde überstehen. Danach wird eine sechsköpfige Jury, bei der unter anderen Nobel-Biocare-Chefin Heliane Canepa und McKinsey-Direktor Thomas Knecht dabei sind, jene Ideen mit dem grössten Potenzial auswählen.

Wie stark entscheidet bei der Auswahl, ob das Projekt fernsehgerecht präsentiert werden kann?

Überhaupt nicht. Jedoch wird nur jener Jungunternehmer die Investoren von seiner Geschäftsidee überzeugen, der sich auch gut verkaufen kann. Der Persönlichkeit des Unternehmers kommt deshalb eine herausragende Rolle zu. Und dies macht das Projekt auch fürs Fernsehen spannend.

Trotzdem: Bei "Traumjob" trieben doch vor allem der Zickenkrieg und Selbstdarsteller Jürg Marquard die Quoten in die Höhe. Droht bei "Start up" nicht Langeweile?

Wir machen keine Sendung, um die Boulevardmedien mit Storys zu füttern. Und wir werden nicht gerne mit "Traumjob" verglichen, da die beiden Formate völlig unterschiedlich sind. "Traumjob" war eine Show nach dem amerikanischen Vorbild "The Apprentice". Was wir tun, ist etwas ganz anderes, wir bilden dokumentarisch die Wirklichkeit ab. Wer über ein gutes Geschäftsmodell verfügt, muss auch in der Realität Investoren von seiner Idee überzeugen.

Lässt sich das an und für sich trockene Thema Firmengründungen denn überhaupt fernsehgerecht aufbereiten?

Die Jungunternehmer verfolgen Träume und Visionen, die doch in uns allen schlummern. Viele Leute möchten einmal gerne ihr eigener Boss sein. Wer in unserer Sendung Erfolg hat, ist ein Vorbild, mit dem das TV-Publikum mitfiebern wird.

Kämpfen die einzelnen Start-up’s gegeneinander?

Nein, jedes Start up schaut für sich selbst und muss letztlich selber versuchen, einen Geldgeber für seine Idee zu finden. Unser Format braucht keine Egozicken, die sich gegenseitig bekämpfen.

Geht aus der Sendung ein Sieger hervor?

Es gibt keinen Gewinner und kein Preisgeld. Wir wählen bloss jene Start-up’s aus, welche ihr Geschäftsmodell den Investoren präsentieren dürfen. Dabei sorgen wir dafür, dass die Auswahl möglichst spannende Jungunternehmen beinhaltet. Um dies zu erreichen werfen wir unser Netz aus, rühren kräftig die Werbetrommel und haben eine hervorragend besetzte Jury zusammengestellt. Den Anlegern, die zwar über viel Geld, aber wenig Zeit verfügen, garantieren wir, dass nicht Krethi und Plethi bei ihnen vorstellig wird.

Sind die Investoren verpflichtet, ein Projekt unterstützen?

Nein. Es gibt keine Verpflichtung, dass eines der Start-up’s Kapital erhält. Es ist deshalb möglich, dass die Investoren keines unserer Projekte für förderungswürdig befinden. Die Jungunternehmer müssen die Investoren innerhalb von zehn Minuten von ihrem Modell überzeugen können. Gelingt dies keinem, ist dies die wirtschaftliche Realität.

Die Doku-Serie folgt also keinem festen Drehbuch?

Nein, überhaupt nicht. Dies birgt -- offen gesagt -- ein gewisses Risiko. Zugleich verstehen wir dieses Fehlen eines Skripts jedoch auch als Chance. Wenn ein Start-up bereits nach seinem ersten Auftritt einen Geldgeber findet, dann soll es so sein.

"Traumjob" kostete rund vier Millionen Franken. Wie teuer ist "Startup"?

Zu den Kosten einzelner Sendungen geben wir keine Auskunft. Aber nochmals: "Start up" ist nicht mit "Traumjob" zu vergleichen.

Werden die Jurymitglieder für ihre Auftritte bezahlt?

Sie erhalten von uns eine Spesenentschädigung.

Erhalten auch das IFJ, das die Vorselektion vornimmt, sowie die Förderagentur für Innovation, die für das Coaching zuständig ist, kein Geld?

Weder das KTI noch das IFJ erhalten von uns Geld, beide Organisationen fungieren aber als Dienstleistungssponsoren und werden in dieser Funktion auch ausgewiesen.

Abschlussfrage: Erachten Sie ihr Format als gescheitert, wenn kein Start-up einen Investoren für sein Projekt gewinnen kann?

Nein, "Start up" ist ein Experiment, kein Hurra-Format. Zeigt kein Investor an einem der Jungunternehmen Interesse, könnten wir die Frage stellen, weshalb es nicht geklappt hat. Das ist eben die Realität -- und wir dokumentieren die Realität. Natürlich wäre es aber schöner, wenn wir nach der Sendung sagen könnten: Dank unserer Mithilfe ist eine Firma entstanden, die zwanzig Arbeitsplätze geschaffen hat.