Ein Artikel von Facts über die "Arena" sorgt für rote Köpfe. Die wirkunsvollste Politsendung des Schweizer Fernsehens laufe wohl nach den nächsten Wahlen aus, heisst es in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins. Trotz der Neukonzeption im März seien die Zuschauerzahlen im laufenden Jahr schlecht. Der "Sendung ohne Aussagekraft" (Ueli Maurer) würden die Köpfe fehlen, die ihre Debattierlust auch öffentlich ausleben. Urs Leuthard selbst wolle sich früh im nächsten Jahr Gedanken machen, ob es Alternativen zur Sendung gebe. "Vielleicht ist es Zeit, etwas ganz anderes zu machen", wird Leuthard zitiert.
"persoenlich.com" hat bei Urs Leuthard nachgefragt, ob es wirklich heisst: "Licht aus für den Zirkus" (Facts). Im Interview hält der Moderator fest, dass er falsch und zum Teil sinnwidrig vom Facts-Autoren zitiert werde. Den Relaunch des Formats hält er trotz sinkender Zuschauerzahlen für gelungen.
Herr Leuthard, "die Arena war das perfekte Gefäss für das letzte Jahrzehnt" sollen sie laut Facts gesagt haben. Stimmen Sie der Einschätzung von Facts zu, dass der Schweiz heute nicht nur die Persönlichkeiten, sondern auch die Probleme abhanden gekommen sind?
Dies sind in erster Linie die Thesen des Facts-Journalisten. Natürlich haben Blocher, Bodenmann, Steinegger & Co. die Arena-Diskussionen in den 90-er-Jahren geprägt, und dies sehr erfolgreich, wie die Zahlen ja zeigen. Aber selbstverständlich haben wir heute noch genug politische Probleme, über die zu diskutieren sich lohnt. Und selbstverständlich gibt es auch heute noch viele spannende Persönlichkeiten in der Politik.
Stimmt es denn, dass die "Arena" nach den nächsten Wahlen ausläuft?
Das ist die Meinung des Facts-Journalisten, nicht meine. Ich möchte grundsätzlich festhalten, dass der betreffende Journalist zwar mit mir gesprochen hat, dass ich aber in diesem Artikel zum Teil falsch zitiert werde, zum Teil in einem sinnwidrigen Zusammenhang. Fakt ist: Die Zuschauerzahlen der Arena befinden sich seit 10 Jahren in einer leichten Abwärts-Tendenz. Trotzdem ist die Arena nach wie vor die mit Abstand wichtigste und bestgeschaute Polit-Diskussion der Schweiz. Die Arena erreicht auch heute noch Marktanteils-Quoten, von denen Sendungen im Ausland (Sabine Christiansen/ARD, Berlin-Mitte/ZDF, Offen gesagt/ORF) nur träumen können. Fakt ist auch: ich habe bereits mehrmals öffentlich kommuniziert, dass ich die Arena sicher bis nach den Parlaments- und Bundesratswahlen 2007 leiten werde. Was nachher kommt, ist nach wie vor offen. Sämtliche Optionen sind möglich. Dass die Arena nach den Wahlen auslaufen soll, ist reine Spekulation.
Laut Facts wollen Sie die Sendung noch bis zum Abschluss der laufenden Legislatur leiten, aber früh im nächsten Jahr darüber nachdenken, ob es Alternativen gäbe.
Ende 2007 werde ich die Arena fast sechs Jahre geleitet haben. Das ist dann gleich lange wie Filippo Leutenegger und dreimal so lange wie mein Vorgänger Patrick Rohr. Ich denke, das ist dann ein guter Zeitpunkt, um mir die Frage zu stellen, ob ich die Arena nochmals ein paar Jahre leiten möchte oder ob es für mich eine andere Herausforderungen gibt. Ich möchte aber betonen, dass bisher absolut keine Entscheide gefallen sind. Ich werde diese Fragen in den nächsten Monaten mit meinen Vorgesetzten diskutieren.
Hat sich Ihrer Ansicht nach der Relaunch der Arena bewährt?
Hinsichtlich der Gesprächskultur hat sich der Relaunch absolut bewährt. Die Diskussionen sind dynamischer, kommen schneller auf den Punkt, die Teilnehmer müssen konkreter werden, können sich weniger gut in wolkige Wortgebilde retten. Die Zuschauerzahlen haben wir damit aber nicht steigern können; das war aber auch nicht das Ziel. Absicht war vielmehr, die Zuschauerzahlen in einem ersten Schritt zu stabilisieren und in einem zweiten Schritt zu erhöhen. Ob das gelingt, kann frühestens in einem Jahr beurteilt werden.
Wie haben sich die Quoten der Arena seit dem Relaunch denn entwickelt?
Wir geben über die Quoten des laufenden Jahres grundsätzlich keine Auskunft. Die Fussball-Weltmeisterschaft in Deutschland hat uns während vier Wochen massiv Zuschauer gekostet. Ob wir das bis Ende Jahr wieder aufholen können, ist fraglich.