Strassenmagazin in finanziellen Nöten

Surprise - Loch von 200'000 Franken in der Kasse.

Das Strassenmagazin Surprise steckt in finanziellen Nöten. Weil die Betreuung der Verkaufenden immer mehr kostet, fehlen dem Blatt rund 200 000 Franken in diesem Jahr. Wird kein Geld gefunden, droht ein drastischer Abbau oder gar das Aus. "72 Prozent unserer Verkaufenden sind Sozialhilfebezüger", sagte Michele Alvaro, Geschäftsführer des Strassenmagazins, am Montag vor den Medien in Zürich. Den Menschen auf der Strasse gehe es wegen dem Sozialhilfeabbau heute schlechter. "Immer mehr Verkaufende sind Asylbewerber, IV-Bezüger und vor allem auch Jugendliche", sagte er.

"Diese Leute brauchen von uns als Arbeitgeber eine intensivere Betreuung." Sie müssten ermutigt und begleitet werden, bräuchten Gespräche sowie Hilfe bei Behördengängen und Alltagsproblemen. Der Basisaufwand für diese Betreuung kostet Surprise 280'000 Franken. Dazu kommen 335'000 Franken für Projekte - diese finanzieren sich jedoch selbst. Trotz stagnierendem Umsatz erwirtschafte das Magazin einen Gewinn von 80'000 Franken mit dem Heftverkauf, sagte Alvaro. Dieser wird dann auch für die Betreuung eingesetzt. Für die fehlenden 200'000 Franken sind die Surprise-Verantwortlichen jedoch auf Spenden und zusätzliche finanzielle Unterstützung angewiesen.

Die Situation sei gravierend. Entweder wachse das Magazin weiter, denn der jetzige Betreuungsaufwand könne nur mit noch höheren Einnahmen aus dem Strassenverkauf gedeckt werden. "Oder sonst müssen wir das Projekt verkleinern oder gar aufgeben", sagte Alvaro. "Das möchte ich aber nicht verantworten müssen. Weil sich die Situation zugespitzt hat, traf Surprise bereits erste Sparmassnahmen. So wurden im Management sowie im administrativen und redaktionellen Bereich Budgets gekürzt. "Zudem haben wir begonnen, Spender direkt anzugehen."

Bis jetzt kam das Strassenmagazin ohne öffentliche Unterstützung aus. In diesem Jahr fanden erste Verhandlungen mit den Sozialämtern in Zürich, Bern und Basel statt. "Wir wollen, dass unser Projekt als Programm zur sozialen Integration anerkannt wird und dass wir für diese Aufgabe Leistungsaufträge erhalten", sagte Alvaro. Surprise bietet 700 Arbeitslosen einen Job. 140 konnten sich im letzten Jahr persönlich weiterentwickeln. 24 fanden mit Hilfe von "Surprise" sogar Arbeit in der freien Marktwirtschaft. Die Verkaufenden erwirtschafteten 2,2 Millionen Franken. Die Hälfte des Erlöses, also 1,1 Millionen Franken, floss direkt in ihre Taschen.