Streit um Privatradio-Pools entbrannt

- Das am Dienstag angekündigte neue Werbekombi "Millionen-Pool" sorgt für Aufregung. Drei der Gründungs-Mitglieder gehören derzeit noch dem "Pool 2000" an. "persoenlich.com" sprach mit dessen Geschäftsleiter und Vizepräsident, Martin Muerner (Bild), sowie mit Patrick Vogt, Geschäftsführer der Medien-Z-Holding.

"Das ist ein klare Missachtung des Vertrags", sagt Martin Muerner zur Gründung des "Millionen-Pool", die am Dienstag bekanntgemacht wurde. Der Berner Oberländer Geschäftsleiter des "Pool 2000" und Vizepräsident des Verbandes Schweizer Privatradios tönt eher enttäuscht denn wütend. "Die Gründung lief hinter meinem Rücken. Das ist nicht die Art, wie ich geschäften möchte." In den Statuten des 'Pool 2000' sei Verschiedenes verbindlich festgelegt, erklärt er. Unter anderem sei die Mitgliedschaft exklusiv und erstmals per 31.12.2002 kündbar -- mit sechs Monaten Kündigungsfrist.

Der "Pool 2000" wurde 1998 als Werbekombi gegründet, dessen acht Privatradios rund 850'000 Hörer erreichen: Radio Argovia, Radio BE1, Radio BeO, Canal 3, Radio Edelweiss, Hitradio, Z, Radio Regenbogen und Radio Sunshine. Argovia, Sunshine und Z haben sich nun dem "Millionen-Pool" angeschlossen, zu dem ausserdem Radio Central, Radio Grischa/Piz, Radio Ri, Radio Top und Radio 32 gehören. Gemäss Pressemitteilung soll der neue Pool, der seine Tagesreichweite mit 1.2 Millionen Hörern beziffert, auch weiteren Privatradios offenstehen. Beide Pools sind in die regionalen Module Mitelland, Zürich und Basel, bzw. Ostschweiz gegliedert.

Am Vortag der Neugründung hatte beim "Pool 2000" eine Sitzung stattgefunden, an der die Zukunft besprochen wurde. Man habe sich, so Muerner, einstimmig für eine Erweiterung des Pools ausgesprochen. Der Antrag des inzwischen dissidenten Zürcher Moduls auf eine sofortige Aufnahme der restlichen, jetzt zum "Millionen-Pool" gehörenden Stationen zwecks einer Erweiterung Richtung Ostschweiz sei aber von der Mehrheit abgelehnt worden. Verworfen wurde auch die Bitte der drei Zürcher Sender um eine sofortige Entlassung aus dem Pool.

"Grundsätzliche Vertragsänderungen bedürfen ebenso sehr der Einstimmigkeit wie die Aufnahme neuer Mitglieder", erläutert Muerner. Darauf habe er die Zürcher auch aufmerksam gemacht, als sie einen Sofort-Austritt androhten. "Ich bin mir bewusst, dass das Zürcher Modul unter der Konkurrenz des 'Power-Pool' (Radio 24 und Radio Zürisee) leidet -- dieses Problem müssen wir angehen." Er wolle aber eine vertragskonforme Lösung und keinen Schnellschuss.

Dem Geschäftsführer der Medien-Z-Holding, Patrick Vogt, fehlt indes die Geduld: "Der Schnellere ist der Geschwindere", sagt er. Der "Pool 2000" habe seinen Auftrag einer Erweiterung nicht wahrgenommen. Ausserdem laufe er nicht mehr gut. Erste Vorgespräche zur Gründung des neuen "Millionen-Pools" hätten die beteiligten acht Stationen deshalb schon vor zwei Monaten begonnen. Martin Muerner sei dann vor einem Monat nach der ersten richtigen Sitzung informiert und auch gebeten worden, mit den anderen "Pool 2000"-Mitgliedern zu sprechen und deren Bereitschaft zur Teilnahme abzuklären. Gegen die Standorte Bern und Basel habe man sich in der Anfangsphase im Übrigen auf Anraten der Vermittler entschieden. Der Tarif von Radio Basilisk sei überteuert, und in Bern sei unklar, wer die Nummer eins werde.

Wäre es denkbar, die den Power-Pool mit bestehenden Pools zusammenzulegen? Muerner meint: "Nein, das geht aus politischen Gründen nicht. Radio Z und Radio 24 wollen nicht im gleichen Pool sein." Tatsächlich hat für den Z-Mann Vogt ein Zusammengang mit dem "Power-Pool" nie zur Diskussion gestanden. Entsprechend räumt er einem gesamtschweizerischen Pool, in dem alle Radios und auch andere Sprachregionen vertreten wären, "null Chancen" ein. Seiner Meinung nach liege das aber an den Überschneidungen in der Provinz. "Die Zürcher bräuchten den Pool am wenigsten von allen", ist er überzeugt. Eine Allianz mit dem "Citypool" (Radio Basilisk, ExtraBern und Pilatus) oder mit dem "Pool 2000" schiene Vogt für den "Millionen-Pool" hingegen "perfekt".

Trotz seiner Enttäuschung will Muerner keinen Prozess. "Ich klage keine Kollegen ein -- obwohl deren Vorgehen für die Gattung Privatradio sicher nicht förderlich ist. Jetzt müssen wir zusammensitzen und schauen, was wir tun wollen." Gesprächsbereit zeigt sich auch die Gegenpartei. Roland Baumgartner, Geschäftsführer von Radio Argovia, sagte gegenüber der SDA, an einem Zwist habe niemand Interesse. Inzwischen haben die Mitglieder des Zürcher "Pool 2000"-Moduls ihre Mitgliedschaft vertragskonform auf Jahresende gekündigt.