Der «Tages-Anzeiger» rückt in seinem neu eingeführten Hintergrund-Format «Seite 3» am Freitag NZZ-Chefredaktor Eric Gujer ins Licht. Der Text mit dem Titel «nach Deutschland, nach rechts» versucht, die Aktivitäten der «Neuen Zürcher Zeitung» im nördlichen Nachbarland zu ergründen.
Die beiden Autoren Philipp Loser und Dominique Eigenmann bringen unter anderem die These auf, dass der Rechtsdrall der NZZ neben dem ideologischen auch einen kommerziellen Grund haben könnte. «Während die FAZ sich nationalkonservativen oder rechtsradikalen Tönen ziemlich konsequent verschliesst, signalisiert die NZZ jedenfalls ein Bemühen, mit ihrem ‹anderen Blick› auf dem wachsenden rechten Lesermarkt eine Rolle zu spielen. Dort gibt es zwar mittlerweile eine Fülle von rechten Zeitungen und Magazinen, aber keine Publikation geniesst das Renommee einer angeblich neutralen Beobachterin», so der Tagi.
Die NZZ sei daneben auch in der Kommunikation deutsch geworden, das spüre man am Stil von Chefredaktor Eric Gujer. Die beiden Tagi-Autoren schreiben, dass sie gerne mit Gujer über den Kurs der NZZ in Deutschland gesprochen hätten. «Doch er konnte oder wollte die Fragen nicht beantworten. Stattdessen hat Gujer ein direktes Interview über Liberalismus an und für sich in Aussicht gestellt», heisst es im Tagi.
Unsinn im @tagesanzeiger. Ich war bereit, ein Wortlaut-Interview zu geben. @philipploser wollte nicht. @rutishau kann das bestätigen.
— Eric Gujer (@ericgujer) 3. November 2017
Das sei «Unsinn», twittert Gujer am Freitag. «Ich war bereit, ein Wortlaut-Interview zu geben. Philipp Loser wollte nicht», wehrt sich der NZZ-Chef. Das hingegen wollte Tagi-Journalist Philipp Loser nicht. Er habe darauf bestanden, Hintergrundinformationen und Zitate zu bekommen, wie er auf Anfrage von persoenlich.com sagte. (eh)